Frau Präsidentin,
meine Damen und Herren,
das traurige Schicksal von Chantal hat uns alle mitgenommen. Aber es hat auch vor Augen geführt, dass wir im gesamten Jugendhilfesystem erhebliche Schwierigkeiten haben. Lassen Sie mich erst einmal auf die gemachten Fehler eingehen:
Ähnliche Fehler wurden bei Lara Mia gemacht. Der Fall Chantal ist ein weiterer Tiefpunkt der Jugendhilfe und der zuständigen Behörden in Hamburg. Es ist klar, dass ein politischer Verantwortlicher da ist, der seiner Verantwortung nicht mehr gerecht werden kann. Unter seiner Verantwortung starben bisher drei Kinder. Es kann nicht angehen, dass unter Schreiber und Kahrs das Jugendhilfe-System in Hamburg Mitte zu einem Gefahrengebiet für Kinder geworden ist. Er hat eine Jugendamtsleiterin, die er selber für nicht tragbar hielt, im Amt belassen!
Dazu noch das wirklich katastrophale Krisenmanagement des Herrn Schreiber. Das alles ist mehr als fahrlässig. Schreiber muss umgehend zurücktreten, um einen Neubeginn möglich zu machen mit der Hoffnung, dass kein Kind mehr sterben muss. Und das traurige ist, dass der Bürgermeister wegen SPD-interner Probleme nicht wagt, einzugreifen.
Ist das Ihr Verständnis Herr Bürgermeister von einem ordentlichen Regieren? Sie wollten Hamburg zur familien- und kinderfreundlichsten Stadt Deutschlands machen. Stattdessen schauen Sie nur zu, wie Kinder unter unerträglichsten Umständen leben müssen.
Der Fall Lara-Mia und Chantal haben noch mal die strukturellen Probleme im Bezirk Mitte und des Jugendhilfe-Systems insgesamt deutlich gemacht.
Ich möchte auf einige Punkte eingehen.
Und welche Konsequenzen zieht der Senat aus diesem Fall, meine Damen und Herren? Der Senat will von Pflegefamilien ein polizeiliches Führungs- und Gesundheitszeugnis sowie ein Drogentest für jedes Haushaltsmitglied ab 14 Jahren. Diese ordnungspolitischen Maßnahmen kommen bei Teilen der Bevölkerung vielleicht gut an.
Wenn das Jugendamt konkret im Fall Chantal ordentlich geprüft hätte und die Prüfung nicht dem Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) überlassen hätte, dann würde das Kind heute vielleicht noch leben und populistische Forderungen wären unnötig.
Auch das Hochziehen der Drogenproblematik an dieser Stelle ist völlig unangebracht. Denn zum Tode eines Kindes kann auch ein herumliegendes Herzmedikament des Opas führen. Die diskutierten Maßnahmen lenken vielmehr von den realen Problemen ab. Es ist doch so, dass steigende Armut, Arbeitslosigkeit und Prekarisierung auch und gerade in die Bereiche der Familie und Kindeserziehung vorgedrungen sind und ihre Wirkung entfalten. Jede vierte Familie lebt unter der Armutsgrenze. Richtig und notwendig ist die Schaffung von Strukturen, die den Pflegeltern im Besonderen und Eltern im Allgemeinen die Erziehung erleichtern.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die strukturellen Probleme der Jugendhilfe im Fokus bleiben müssen. Es wäre überlegenswert, eine Enquete-Kommission einzusetzen, um fraktionsübergreifend zu einer gemeinsamen Verbesserung der Jugendhilfe zu kommen. In der Expertenanhörung wurde deutlich, dass der gesamte Jugendhilfebereich mal unter die Lupe genommen werden muss. Ich stimme hier mit ihrem ehemaligen Kollegen Thomas Böwer überein.
Vielen Dank.