- Es gilt das gesprochene Wort -
Die Fraktionen FDP, CDU und der GAL wollen unser Schulsystem mit einem „Besonderen Anmeldeverfahren“ beglücken. Die Schulen sollen sich 40 bis 55 % ihrer Schülerschaft selbst auswählen dürfen. Dabei berufen sie sich auf einen Schulversuch, der vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (Li) evaluiert worden ist. An dem Schulversuch haben sich anfänglich 7 Gymnasien und 6 Stadtteilschulen beteiligt, von denen aber 6 Gymnasien abgesprungen sind, weil der Modellversuch für sie nichts gebracht hat. Die Schulen durften ab 2008 bis 2011 35 bis 55 % der angemeldeten Schülerinnen und Schüler selbst auswählen.
FDP, GAL und CDU lesen nun aus der Evaluation heraus, dass der Schulversuch ein Erfolg war. Das ist unseres Erachtens ein völlig unkritisches Herangehen, da in der Evaluation nur die 13 Schulen einbezogen wurden, die sich an dem Modellversuch beteiligt haben. Diese Beschränkung wird nirgendwo in dem Gefälligkeitsgutachten begründet.
Das ist ungefähr so, wie wenn man einen Modellversuch zu Tempo 80 auf Hamburgs Straßen macht und nur die Autofahrer befragt, wie zufrieden sie damit sind. Was dabei herauskommt, kann man sich denken. Es bleiben Halbwahrheiten.
Und solche Halbwahrheiten hat die Evaluation des Landesinstitut verkündet.
Ich möchte hier 3 „Risiken und Nebenwirkungen“ benennen, zu denen sich in dem Gefälligkeitsgutachten des Landesinstitut wenig bis nichts findet.
Dieser Sachverhalt lässt sich selbst in dem Gefälligkeitsgutachten des Li nicht verschweigen. Ich möchte Ihnen mal 3 Zitate aus dem Gefälligkeitsgutachten vortragen:
Die Fraktion DIE LINKE möchte Schulsenator Rabe bestärken, dem Druck der GAL, CDU und FDP zu einem unsolidarischen Schulsystem nicht nachzugeben. Wir schlagen im Gegensatz zu den anderen Fraktionen einen anderen, sozialen, gerechten und demokratischen Weg vor.
Wir wollen, dass alle Schulen gleich gut werden. Die finnische Kultusministerin ist einmal in einem Interview gefragt worden, worin das Geheimnis des finnischen Schulsystems liegt. Darauf hat sie geantwortet, dass alle Schulen, egal ob sie in einem armen oder reichen Stadtteil von Helsinki oder auf dem Lande liegen, gleich gut sind. Wenn Olaf Scholz im Wahlkampf versprochen hat, er wolle aus den Schulen Paläste machen, dann kann er hier anfangen.
Es würde schon reichen, wenn alle Schulen gleich gut sind.