11. August 2010

Atomkraft abschaffen: Laufzeitverlängerung verhindern!

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG
Drucksache 19/6970
19. Wahlperiode
11.08.10
 
Antrag
der Abgeordneten Dora Heyenn, Norbert Hackbusch, Elisabeth Baum, Dr. Joachim Bischoff, Wolfgang Joithe-von Krosigk, Kersten Artus, Christiane Schneider und Mehmet Yildiz (Fraktion DIE LINKE)

Betr.:  Atomkraft abschaffen: Laufzeitverlängerung verhindern!

Bei  der  Laufzeitverlängerung  der  Atomkraftwerke  ist  ein  absurder  Bieterwettbewerb ausgebrochen:  Bis  zu acht  Jahre  fordert  Umweltminister Norbert  Röttgen (CDU),  im Schnitt  14  Jahre  die  süddeutsche  CDU,  bis  zu  28  Jahren  gehen  die  Szenarien  des Bundeskanzleramts,  „unbegrenzte“  Laufzeiten  wünscht  sich  Bayerns  Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).
Die Energiekonzerne E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW wollen sich nach Medienberichten  durch  einen  „Geheimdeal“  mit  Bundesfinanzminister  Schäuble  (CDU)  zwölf Jahre Laufzeitverlängerung für 30 Milliarden Euro erkaufen. Ihr Ziel ist, durch die Laufzeitverlängerung  das  Oligopol  auf  dem  Strommarkt  für  die  nächsten  Jahrzehnte  zu zementieren. Einen Ausbau hin zu vollständig Erneuerbarer Energieversorgung ist bei gleichzeitigem Weiterbetrieb von atomaren Grundlastkraftwerken nicht möglich.
Es wird der Eindruck erweckt, es ginge lediglich um Machtspiele und ein Feilschen um abstrakte  Zahlen.  Tatsächlich  handelt  es  sich  aber  um  eine  massive  Erhöhung  der atomaren Bedrohungslage für die Bevölkerung. Mit jedem Tag, an dem auch nur ein Atomkraftwerk  weiter  in  Betrieb  ist,  besteht  auch  die  Gefahr  eines  Super-GAU.  Das haben  die  Reaktorkatastrophe  in  Tschernobyl  1986,  der  Beinahe-GAU  in  Forsmark
2006, aber auch die ständigen Pannenserien in Krümmel und Brunsbüttel bewiesen.
Schon nach der derzeitigen Gesetzeslage steht Hamburg angesichts der verbliebenen Reststrommengen beim AKW Krümmel noch eine Restlaufzeit von über zehn Jahren bevor  –  ab  der  Wiederinbetriebnahme.  Eine  generelle  Laufzeitverlängerung  würde insbesondere  das  AKW  Brunsbüttel  mit  nur  noch  einer  geringen  verbliebenen  Reststrommenge betreffen. Es geht also auch um die Sicherheit von über zwei Millionen Menschen in der Region. Ein Zurückfallen hinter den derzeitigen Stand beim Ausstieg darf es nicht geben.
Die Freie und Hansestadt Hamburg schweigt trotzdem zu diesem gruseligen, bundesweiten Atompoker. Die Bürgerschaft hat in der Bürgerschaftssitzung am 2. Juni 2010 beschlossen (Drs. 19/6372), dass die Bundesländer bei der Frage der Laufzeiten und am Energiekonzept der Bundesregierung zu beteiligen sind. Nicht beschlossen wurde, welche  Position  das  Bundesland  Hamburg  in  dieser  Frage  vertritt.  Hamburg  muss aber angesichts der jetzt anstehenden Entscheidungen auf Bundesebene endlich Farbe bekennen. In der Bürgerschaft haben sich bereits verschiedene Fraktionen gegen
jede Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken positioniert.

Die Bürgerschaft möge deshalb beschließen:
1.    die Hamburgische Bürgerschaft lehnt jede Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken ab. Der schnellstmögliche Umbau zu einhundertprozentiger Erneuerbarer Energieversorgung muss das Ziel eines bundesweiten Energiekonzepts sein.

Der Senat wird aufgefordert, 
2.    im Bundesrat gegen jedes Gesetz zu stimmen, das eine Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken bewirkt oder die Möglichkeiten dazu erweitert,
3.    in  Verhandlungen  mit  der  Bundesregierung  und  den  Bundesländern  auf  den schnellstmöglichen  Umbau  zu  einhundertprozentiger  Erneuerbarer  Energieversorgung hinzuwirken.