BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG
Drucksache 19/6593
19. Wahlperiode
06.07.10
Schriftliche Kleine Anfrage
des Abgeordneten Dr. Joachim Bischoff (DIE LINKE) vom 28.06.10
Betr.: Gedenken an Deserteure im Zweiten Weltkrieg
In den vergangenen Jahren ist eine Opfergruppe des nationalsozialistischen Terrors stärker ins Augenmerk gerückt worden: die Deserteure, die sich dem aggressiven Eroberungskrieg der Wehrmacht durch eine „Fahnenflucht“ entzogen haben.
Man geht heute davon aus, dass im Zweiten Weltkrieg rund 350.000 bis 400.000 deutsche Soldaten (von insgesamt 18,2 Millionen) desertiert sind; gegen etwa 30.000 verhängte die NS-Militärjustiz die Todesstrafe, die in circa 23.000 Fällen auch vollstreckt wurde. Die Forschung über diese doch recht erhebliche Opfergruppe steckt allerdings noch in den Anfängen, in Hamburg haben sich erst wenige Zusammenhänge ergeben beziehungsweise Personen näher mit dem Thema befasst.
Die jüngste Aktion wurde von der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. (Fuhlsbüttel) organisiert. Am 5. Juni 2010 brachte sie im Beisein einer interessierten Öffentlichkeit ein Transparent am „Gefallenendenkmal“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof an, um auf die hier bestatteten sogenannten Fahnenflüchtigen und Wehrkraftzersetzer aufmerksam zu machen. Diese „Deserteursaktion“ wurde von der Bezirksversammlung Hamburg-Nord unterstützt und sogar vollständig finanziert. Doch die Friedhofsverwaltung, die gebeten worden war, das Transparent aufgrund der Medienresonanz einige Tage länger hängen zu lassen, sah sich ermächtigt, dieses ohne Vorankündigung und Rückkoppelung am 22. Juni 2010 selbstherrlich abzuhängen und einzukassieren. Dieser mehr als fragwürdige Akt wurde der Geschichtswerkstatt nun auch noch in Höhe von 223,72 Euro in Rechnung gestellt.
Vor diesem Hintergrund frage ich:
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