(...) Bürgermeister von Beust hatte in seiner Regierungserklärung ausgeführt: die Politik sei gut beraten, die eigenen "Schützengräben" zu verlassen und neue Ideen zu formulieren. "Auf den ausgetretenen Pfaden kommen wir nicht weiter, weder in Hamburg noch in Deutschland." Dies sollte gerade auch für die Schul- und Bildungspolitik gelten.
Wenn ich mich recht erinnere fiel auch die Formel von der Herstellung des Schuldfriedens. 8 Monate nach dieser Erklärung und verschiedenen Debatten über die Reformen in den Schulen sind wir noch nicht viel weiter:
Ohne Zweifel, der Bürgermeister und wohl größere Teile der CDU haben sich mit dem Gedanken des gemeinsamen Lernens angefreundet. Diese auch hinter der Primarschule steckende Idee ist nicht mehr nur Koalitionskompromiss, sondern mittlerweile ein Projekt aus Überzeugung. Keine Frage, dass wir diese Positionsveränderung begrüßen.
Soweit der positive Teil. In der Umsetzung und der Beteiligung der Bürgerschaft gibt es für uns überwiegend Kritisches:
Wir unterstützen grundsätzlich die Absicht, mit der Einführung der Primarschulen das längere gemeinsame Lernen auf sechs (bzw. sieben) Jahre zu erhöhen. Dies kann ein Schritt in die richtige Richtung sein, wenn bestimmte Gefahren vermieden werden.
Dazu gehört in erster Linie die Gefahr, dass die Grundschule (Primarschule) zu einer „vorselektierten Schulform“ wird, wenn Primarschulen in der „Langform“ an Gymnasien errichtet werden, wenn räumliche Verbünde von Primarschulen und Gymnasien entstehen, wenn ein Teil der Gymnasien von der Reform ausgenommen werden, wenn die Möglichkeit zur äußeren Differenzierung in den Klassenstufen 5 und 6 zugelassen wird oder durch die Wahl der Profile der Primarschulen.
Um diese Risiken zu minimieren,
Die Aufteilung nach der sechsten Klasse in Stadtteilschulen und Gymnasien lehnen wir ab. Wir wollen, dass auch in der Sekundarstufe vorrangig integrative Schulstrukturen eingerichtet werden. Schulregionen, in denen künftig nur integrative Bildungsgänge angeboten werden, müssen von der Bildungsbehörde besonders gefördert werden.
Die personelle und sachliche Ausstattung der Stadtteilschulen ist deutlich zu verbessern, um ihren besonderen Aufgaben Rechnung zu tragen. Die Gymnasien sind dabei zu unterstützen, sich Stadtteilschulen anzuschließen bzw. sich selbst dahin zu entwickeln.
Für die Umsetzung der Schulreform werden hauptsächlich die LehrerInnen vor Ort verantwortlich sein. Wenn diese Veränderungen allerdings erneut auf die Knochen der Beschäftigten an den Schulen gehen, wird es weder Akzeptanz noch Erfolg der Schulreform geben.
Nur durch umfangreiche zusätzliche sachliche und personelle Investitionen in die Schulen kann diese Reform durchgeführt werden.
Um die Ziele der Schulstrukturreform (z.B. soziale Gerechtigkeit, Heterogenität als Chance, individuelle Förderung) zu erreichen, müssen weitere Rahmenbedingungen für Schule radikal verbessert werden: