Rede Norbert Hackbusch
- Es gilt das gesprochene Wort, Sperrfrist Redebeginn -
Es ist unbestritten, dass es Barrieren gibt für die Kulturstätten dieser Stadt und besonders für die wichtigen Museen und Theater. Nach allgemeinen Umfragen schätzen wir, dass 50 % sie gar nicht nutzen, 40 % selten und unter 10 % Vielnutzer sind. Dabei nutzen Ältere diese Angebote häufiger als Jüngere und es gibt eine kräftige soziale Selektion.
Das ist schlecht für die Kultur zumal sie ihre wichtige Aufgabe eine Klammer für die Gesellschaft, ein Hort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung nur unzureichend wahrnimmt und wahrnehmen kann. Sie droht in ihren hochkünstlerischen und hoch subventionierten Bereichen eine sich selbst bestätigende Elitär-Kunst zu werden.Das ist schlecht für die Gesellschaft, da die kulturelle Auseinandersetzung wichtig für ihren Zustand und ihre Entwicklung ist.
Das ist sozial ungerecht - zumal viele Menschen gern an dieser Kultur teilnehmen wollen aber aufgrund der hohen Eintrittspreise daran gehindert werden. Wir möchten mit dem vorliegenden Antrag das Thema auf die Tagesordnung setzen und eine grundsätzliche Diskussion und Veränderungen anregen. Kultur für alle werden wir in dieser Stadt nicht durch allgemeine Erklärungen erreichen, sondern dafür bedarf es unterschiedlicher Schritte:
1.) Wir erwarten eine umfassende Auseinandersetzung um die Frage welche Barrieren existieren und wie sie überwunden werden können. Die kulturellen Institutionen dieser Stadt müssen sich dieser Aufgabe ständig stellen.
2.) Zusätzlich erwarten wir Verbesserungen durch folgende Aktionen:- freien Eintritt in die Hamburger Museen zumindest an einzelnen Tagen und zumindest die ständigen Sammlungen. Das wurde mit großem Erfolg in großen Städten wie Paris, London und New York eingeführt. Einige Städte wie Köln prüfen das gegenwärtig.In Reiseführern wird damit geworben. Die rege Teilnahme an der Nacht der Museen zeigt welches Potential noch vorhanden ist. Der Kostendeckungsgrad ist gering und die unterschiedlichsten Spender haben die Bilder den Museen zur Verfügung gestellt, dass möglichst viele Hamburgerinnen und Hamburger Kunst genießen können.
- Das Beispiel aus Berlin zu prüfen, sozial schwachen Menschen das Recht zu geben vor der Vorstellung für 3 Euro nicht verkaufte Karten erwerben zu können (auf allen Plätzen!). Dieser Berlin-Paß wurde gerade zum 1. Januar mit neuen Angeboten in einem vereinfachten Verfahren neu angeboten - nach ersten Pressebeobachtungen einigem Erfolg. Der Sozialpaß der Hansestadt könnte ein Ansatz sein.- Bezahl was Du kannst, pay as you want/can. Beispiele dafür gibt es aus den USA wo es an einigen Tagen auch in großen Museen dieses Angebot gibt. In Hamburg gibt es einige kleine Kulturinstitutionen wie "Elfen im Park", das Norwegerheim etc. die damit seit Jahren arbeiten.
Im Dezember gab es einen ersten Versuch dazu im Schauspielhaus bei der "Marat"- Aufführung, die von den Verantwortlichen als erfolgreich bilanziert wurde.Die Europäische Kommission hat im Jahre 2004 hervorgehoben:"Die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten ist eine wichtige Möglichkeit, mit der Menschen und Gemeinschaften ihre eigene Identität bestimmen und auszugestalten und diese anderen vermitteln ... Somit ist die Kultur ein Mittel für die aktive Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft.
Die Förderung des Zugangs zu kulturellen Aktivitäten und die Teilnahme daran ist ein ebenso bedeutsamer und gewichtiger Faktor bei der Errichtung einer integrativen Gesellschaft wie die Förderung der Teilnahme an den Bereichen Wirtschaft, Beschäftigung oder Soziales. Im Vergleich zur Sozialpolitik ist für kulturelle Aktivitäten entscheidend, dass diese einen positiven Ausgangspunkt haben: Menschen werden nicht als Problem, sondern als potenzielle und konkrete Bereicherung angesehen." (Seite 86) Die Europäische Kommission verlangt für die Umsetzung Nationale Aktionspläne.
Neben der sozialen Ausgrenzung verlangen Gruppen wie Jugendliche und Kinder, Senioren und behinderte Menschen besondere Beachtung.Angesichts der Diskussion um die Elbphilharmonie versuchen sich die Regierungsparteien als besonders kulturelle Kraft darzustellen. Mit der Zustimmung zu diesem Antrag oder zumindest der Überweisung an Kultur- und Sozialausschuss können sie sich kulturell profilieren.