Rede Dora Heyenn - Es gilt das gesprochene Wort -
In San Francisco, Madrid oder Dallas ist es bedeutend leichter Ehrenbürger zu werden als in Hamburg. Dort ist es eine Frage des Geldes. In Texas z.B. reicht eine Spende von 500 Dollar. Das Hamburger Ehrenbürgerrecht hingegen ist verankert in der europäischen Kulturgeschichte. Es entstand in der Franzosenzeit und lässt sich auf die Französische Revolution zurückführen. Damals wurde ausländischen Persönlichkeiten, die sich um die Menschenrechte und die Freiheit verdient gemacht hatten, das französische Staatsbürgerrecht ehrenhalber verliehen.
Als 1813 in Hamburg die Ehrenbürgerwürde erstmals verliehen wurde, geschah es genau in dieser Tradition. Der russische General von Tettenborn erhielt es, weil er Hamburg "vom Joche der Fremdherrschaft" befreit hatte. Erst 1948 wichen die Hanseaten von dem Brauch, die Ehrenbürgerschaft ausschließlich an Nicht-Hamburger zu verleihen, ab.
Bis heute hat der Hamburger Senat bzw. die Hamburgische Bürgerschaft 33 Mal dieses Recht verliehen; bedauerlicher- oder bezeichnender Weise nur 3 Mal davon an Frauen. Deshalb begrüßt DIE LINKE, dass heute für das Ehrenbürgerrecht eine Frau vorgeschlagen wurde, Frau Prof. Hannelore Schmidt.
Ihren Beruf als Hamburger Lehrerin musste sie eintauschen in ein Leben "im öffentlichen Interesse". Sie nutzte die Chance und stellte ihre Liebe zur Botanik in den Dienst des Naturschutzes und sie nutzte die Chance um mit Wissenschaftlern auf verschiedene Forschungsreisen zu gehen.
Dabei war sie durchaus erfolgreich. Sie entdeckte neue Pflanzenarten, die auch ihren Namen tragen, so z.B.
* Pitcairnia loki-schmidtiae (Bromelienart aus Mexico)
* Puya loki-schmidtiae (Bromelienart - Foto)
* Impatiens loki-schmidtiae (Springkrautart aus Madagaskar)
Ihr Vorname Hannelore ist bei den Hamburgern schon seit langem zum vertrauteren Loki geworden. Da braucht es nicht einmal mehr ihres Nachnamens. Loki, das ist wie es heute auf neuhochdeutsch ausgedrückt wird, ihr "Alleinstellungsmerkmal".
Hamburg hat einen sehr schönen Botanischen Garten, andere Städte auch, aber jedes hat seinen eigenen Charakter. Das beschreibt Loki Schmidt in ihrem Buch " Die Botanischen Gärten in Deutschland". Die Besuche vor Ort muss sie so fasziniert haben, dass sie sich auch im Ausland damit beschäftigte. Loki Schmidt hat die Botanischen Gärten von Hamburg, Jerusalem, St. Petersburg, Göteborg, Mexico City und Mérida in Venezuela miteinander vernetzt. Für sie sind es wichtige Institute zur Erforschung und Erhaltung biologischer Viel-falt und Standorte an denen die Verantwortung des Menschen für den Erhalt des Naturerbes verdeutlicht wird. Sie hat initiiert, dass seit 1986 weit über 50 gegenseitige Arbeitaufenthalte von Gärtnern stattfinden konnten.
Diese bemerkenswerte Frau hat in Anerkennung ihres Engagements bisher 15 Auszeichnungen erhalten. Zu den wichtigsten zählen die Verleihung der Alexander-von-Humboldt-Medaille, die Ernennung zur Ehrensenatorin der Universität Hamburg, die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Akademie der Wissenschaften von St. Petersburg und die Verleihung der Ehrenprofessur durch den Hamburger Bürgermeister. Die Alfred-Töpfer-Medaille hat sie auch erhalten.
Das einzige, das jetzt noch fehlte, das war die Ehrenbürgerschaft. Darüber befinden wir heute und DIE LINKE unterstützt das ausdrücklich.