15. Dezember 2010

Sozialstatus beeinflusst Kindergesundheit

Quelle: ärztezeitung.de

Seit Juni des Jahres gibt es in Hamburg den „Pakt für Prävention“, an dem sich rund 130 Akteure der Gesundheitsförderung beteiligen. Von Krankenkassen, Kindertagesstätten bis hin zur Krankenhausgesellschaft ist alles vertreten, was Hamburg zu bieten hat. Nicht erwähnt wird in der Presseerklärung vom 23.06.2010 der Öffentliche Gesundheitsdienst. Dabei hat dieser in der öffentlichen Daseinsvorsorge besondere Bedeutung.

Ziel des Paktes ist es, die Gesundheit der Hamburger Bevölkerung zu verbessern und mit Hilfe von Zielkonferenzen, Gesundheitsziele zu definieren. Es fällt auf, dass Hamburg nach Jahren der Untätigkeit im Bereich der Gesundheitsförderung, plötzlich aktiv wird. In anderen Bundesländern sind längst Gesundheitsziele für die Bevölkerung fixiert und werden durch Programme mühselig realisiert.

Nachdem über mehrere Jahre durch die eigene Gesetzgebung des Stadtstaates keine Gesundheitsdaten von Schülern erfasst wurden, musste der Senat in den letzten Jahren, nach Wiedereinführung der Erfassung und Dokumentation des Gesundheitsstatus feststellen, dass jedes vierte Kind inzwischen Entwicklungsstörungen und gesundheitliche Probleme aufweist. Dabei gibt es eine breite Befundaussage, von motorischen und psychischen Störungen bis hin zur Zahngesundheit. Hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass der Anteil übergewichtiger Kinder und jener mit Adipositas (Fettsucht) zunimmt. Aus den Gesundheitsberichten der Bezirke wird in diesem Zusammenhang auf den Sozialstatus hingewiesen, der Ernährung und Bewegung beeinflusst. Dieser Hinweis deckt sich mit der Kieler Adipositas-Präventionsstudie (KOPS), die Daten von mehr als 16.000 Kindern ausgewertet hat. Allgemein kann man sagen: Je niedriger das Haushaltsnettoeinkommen, desto größer der Anteil übergewichtiger Kinder. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund liegt dabei deutlich über denen deutscher Kinder. Als Ursache für diese Differenzen werden unterschiedliche Lebensstile gesehen.

In Hamburg leben viele Kulturen. Eine gezielte Gesundheitsförderung muss diese Unterschiede berücksichtigen. Die Linke hatte deshalb vom Senat gefordert, entgegen der geplanten Streichung von Schul(zahn)ärzten, in allen Bezirken und Stadtteilen Hamburgs die Stellen im Schulärztlichen Dienst umgehend zu besetzen. Ziel muss es sein, wie im Gesetz (Hamburgisches Gesundheitsdienstgesetz) vorgesehen, alle Vorschul- und Schuleingangsuntersuchungen regelmäßig und bei allen Kindern durchzuführen und zu dokumentieren. Nur auf der Grundlage aussagefähiger Daten kann auch eine gezielte stadtteilbezogene Gesundheitsplanung erfolgen.

Was den vom Hamburger Senat initiierten „Pakt für Gesundheit“ betrifft, so wurde bereits auf der ersten Gesundheitszielkonferenz Kritik daran geübt, dass der Senat die Gesundheit der Hamburger zwar verbessern will, dafür aber keine Mittel bereit stellt. Eine Teilnehmerin forderte, die Sicherung von Wohnraum und Einkommen voranzustellen. Dieser Forderung kann sich die LINKE nur anschließen, beeinflussen doch vor allem Umweltfaktoren die Gesundheit, insbesondere die psychische.