27. November 2008

Elbphilharmonie: Ein Alptraum wird zum Fiasko

Bild: Hamburger Abendblatt

Ein solches Desaster hat Hamburg noch nicht erlebt: Die Kosten für die öffentliche Hand bei der Elbphilharmonie sollen sich noch mal verdreifachen! Nachdem am Anfang ohne Subventionen gedacht und dann 77 Mio. ausgewiesen wurden - präsentierte der Senat im Jahre 2006 und 2007 einen Festpreis von 114,3 Mill. Euro. Jetzt soll die Stadt 323.3 Mio Euro bezahlen! Der Begriff Festpreis ist damit zum Wort des Jahrzehnts für diesen Senat geworden!

Zu Beginn hieß es: die Stadt solle lediglich das Grundstück zur Verfügung stellen. Dann wurden 50 Mio. Euro für ein Kulturzentrum vom Senat als öffentlicher Beitrag verkündet, später fielen angeblich 77 Millionen Euro für die Stadt an. Plötzlich waren es 114,3 Mio. von den geplanten Gesamtkosten von 241 Mio. Jetzt kommen weitere Millionen hinzu. Die ganze Geschichte vom vermeintlichen Festpreis ist eine politische Bankrotterklärung der Senatsbehörden.

  • Die gestiegen Kosten trägt fast ausschließlich die öffentliche Hand: Ein weiteres Beispiel für ein Public Private Partnership in dem die Privaten Investoren profitieren und der Staat bezahlt.
  • Die reguläre Spieleröffnung soll um ein weiteres Jahr auf Mai 2012 verschoben werden. Damit ist das Ende der Vertragszeit mit Herrn Lieben Seuter fast erreicht.
  • Wesentliche Konstruktionsfehler im Vertragswerk wurden nicht verändert: So bleibt die Höchstkonventionalstrafe bei 24 Mill. Euro, was angesichts der Gesamtbausumme lächerlich ist. Das unterstreicht die Gefahr, dass weitere „Festpreis-Erhöhungen“ folgen können.

Diese Kostensteigerung passt nicht in die aktuelle politische Landschaft, und stellt für Hamburgs Kulturhaushalt eine kaum tragbare Belastung dar. Die BürgerInnen müssen für das Symbol der 'wachsenden Stadt' mitten in einer schweren Wirtschaftskrise einen unakzeptablen Beitrag übernehmen.

Die Fans des neuen Musikzentrums wollten mit der neuen Elbphilharmonie ein Wahrzeichen schaffen und haben dabei die Bodenhaftung verloren. Diesen „elektrisierend schönen Entwurf eines wellenförmig ansteigenden Glaskörpers auf dem Dach eines alten Kakaospeichers“ will man in Hamburg unter allen Umständen haben.  "Das Kopenhagener Opernhaus hat 350 Millionen Euro gekostet - wie soll dann ein weit komplizierterer Bau wie die Elbphilharmonie billiger zu haben sein?“

Eines der zehn besten Konzerthäuser der Welt sollte das neue Hamburg symbolisieren. Herausgekommen ist ein Albtraum. Der Leuchtturm Elbphilharmonie ist zusammengebrochen: Weder wurde ein "Kulturhaus für Alle geschaffen" noch sind die Kosten für dieses Bauwerk angesichts der drängenden Probleme der Menschen in dieser Stadt zu verantworten.

Der Senat und alle Parteien der Bürgerschaft sind aufgefordert angesichts dieser Zahlen ihr Verhältnis zu diesem Bauprojekt neu zu bestimmen.