10. Dezember 2009

Schweinegrippe – Das Geschäft mit der Verunsicherung

Dr. Angela Spelsberg: VerbraucherInnen haben ein Recht auf verlässliche und fundierte Informationen.

Unter diesem Titel fand am 8. Dezember eine Veranstaltung mit Frau Dr. Angela Spelsberg, Ärztin und Epidemiologin und Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland e.V. statt. Was steht hinter der Medienkampagne, die mit so vielen Emotionen, Ängsten und Verunsicherungen arbeitet, aber viele Fragen zur Impfung oder zu Nebenwirkungen oder zu Interessen einfach ausblendet.

Relativ schnell war ganz klar: Es handelt sich hier um einen Wirtschafts-Polit-Thriller, der Präzedenzfälle produziert hat, die unbedingt weiter beachtet werden müssen, sofern wir nicht wollen, dass unser Gesundheitssystem noch tiefer durch ökonomische Interessen geleitet wird.

Frau Dr. Spelsberg machte deutlich, dass die Schweinegrippe ein Paradebeispiel liefere. Die Transparenz fehle komplett darüber, wie Entscheidungsfindungen über Pandemiepläne, über Impfstoffmengen, deren Verteilung oder über die Vertragsbedingungen und -verantwortungen zwischen Ländern und Herstellern zustande kamen. So fällt auf, dass -auf Geheiß der Gesundheitsministerkonferenz- diese Verträge einzig durch Thüringen verhandelt worden sind und diese als streng vertraulich galten und nur durch einen glücklichen Zufall in die Öffentlichkeit gelangten. Hier schweigt aber die Presse.

Obwohl ein genaueres Hinschauen skandalöse Aspekte beinhaltet:

Ob und welche ExpertInnen den Vertragverhandlungen beiwohnten ist unklar. Bis heute gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die Schweinegrippe tatsächlich im Vorfeld als Pandemie hätte benannt werden dürfen. Da grippale Erkrankungen erfahrungsgemäß auf der südlichen Welthalbkugel beginnen und somit genügend Zeit für eine Einschätzung und Gegenmaßnahmen besteht, waren viele ExpertInnen nicht überrascht, dass die Schweinegrippe eine relativ milde verlaufende Grippe darstellt. Überrascht war man eher darüber, dass die Glaxo-Adjuvanzien bereits seit 2007 auf ihren Einsatz warteten ohne einem umfassenden Test unterzogen worden zu sein.

Ebenso unklar ist auch, wie eine fundierte Analyse und Auswertung des Tatorts Schweinegrippe stattfinden soll. Die Verträge sehen vor, dass das Datenmaterial einzig an den Hersteller geliefert werden sollen. Somit ist eine Auswertung durch unabhängige Institutionen wie das Robert-Koch Institut ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass Langzeitauswirkungen und Nebenwirkungen nicht erhoben werden, dass nicht erhoben wird, ob Geimpfte erkranken oder nicht und ob, wann und wie Nichtgeimpfte erkranken. Ähnlich den Forschungs- und Dokumentationsdefiziten der 'normalen' saisonalen Grippe, wird auch hier das Hinterfragen der Nutzen-Schaden-Relation sträflich vernachlässigt.

Der Verbraucher und die Verbraucherin muss sich hier komplett entmündigt fühlen. Dass nun Gesundheitssenator Wersich zum Impfen geht und nicht-geimpftem medizinischen Personal zuvor Fahrlässigkeit vorwarf, lässt sich auch ökonomisch lesen: Alle Impfdosen, die nicht verbraucht und somit nicht von den Krankenkassen gezahlt werden, müssen durch die Freie und Hansestadt Hamburg bezahlt werden. Besteht hier eigentlich auch schon ein Sondervermögen?

Wir werden da auf jeden Fall dem Senat genauer auf die Finger schauen, denn selbst in seine Logik passt: Die VerbraucherInnen brauchen verlässliche und fundierte Informationen für eigene Entscheidungen. Das heißt: Mehr Transparenz!

Tanja Chawla