Happy Slapping*, Cyber Bullying*, Cyber Sex Offending* – diese Begriffe kennzeichnen eine neue Dimension der Gewalt, die erst durch die neuen Medien möglich wurde. Ganz besonders trifft es junge Mädchen die durch Handys und Internet sexualisierte Gewalt erleben – und dies aus Scham und Schuldgefühlen viel zu oft verschweigen. Und aus Angst vor Verboten.
Denn die Drohung besorgter Eltern, „Du darfst nicht mehr ins Internet!“ führt bei den Teenagern dazu, dass sie virtuelle Gewalterfahrungen verschweigen. Bundesweit wird nach einer Studie ** geschätzt, dass 1,9 Millionen SchülerInnen Opfer von Cybermobbing sind – und nur neun Prozent mit ihren elterndarüber reden. „Verbote bringen gar nicht“, sagt deswegen Jörn Wunderlich, familienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag, bei einem Empfang der Hamburgischen Linksfraktion, der anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Hamburger Rathaus.
Rund 40 Gäste waren in den Bürgersaal gekommen – aus Frauenhäusern, Notruf-Einrichtungen, feministischen Projekten, ver.di, Prostituiertenanlaufstellen und andere.
Als zweite Rednerin stellte Christa Paul von der Präventions- und Beratungstelle bei sexuellem Missbrauch, Allerleirauh, ihre Arbeit vor – unter anderem Projekte vor, die sie und ihre Kolleginnen in Schulen in den Klassenstufen acht bis zen absolvieren. Allerdings können jährlich nur etwa zehn Schulen erreicht werden.
Dass die von der Stadt zur Verfügung gestellten Zuwendungen für diese wichtige Arbeit nicht ausreichen, liegt auf der Hand, denn noch immer nicht sind die Kürzungen aus der Zeit des CDU/Schill-Senats aufgefangen. Und mit der neuen Sparandrohung seitens der Sozialbehörde stehen die Chancen schlecht, eine bessere personelle Ausstattung zu erhalten.
Jörn Wunderlich skizzierte, worin das Ziel der Präventionsarbeit bestehen muss: Mädchen und Jungen müssen lernen, dass ihr Körper ihnen gehört und dass sie sensibilisiert werden, auf ihre Gefühle zu achten. Und er plädierte für mehr Medienkompetenz bei LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen. Hier setzt das Hamburger Lehrerinstitut und viele Beratungstellen bereits an, doch reichen die Angebote nach Einschätzung der linken Bürgerschaftsfraktion nicht aus. Die Linken kündigen deswegen bereits jetzt an, Kürzungen in diesem Bereich massiv zu bekämpfen und im kommenden Jahr zu den nächsten Haushaltsberatungen entsprechende Anträge einzubringen.
* Handyaufnahmen von Gewaltanwendungen, Bedrohung über das Internet, Gefährdungspotenzial durch Chatrooms
** Studie des Zentrums für empirische pädagogische Forschung(zepf)