23. Juli 2010

Aids- und HIV-Betroffene in Hamburg: Ihre soziale Situation, deren drohende Verschlechterung und Handlungsansätze des Senats

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG
Drucksache 19/6826
19. Wahlperiode
23.07.10
 
Schriftliche Kleine Anfrage
der Abgeordneten Kersten Artus, Elisabeth Baum und Wolfgang Joithe-von Krosigk (DIE LINKE) vom 23.07.10

Betr.:   Aids- und HIV-Betroffene in Hamburg: Ihre soziale Situation, deren drohende Verschlechterung und Handlungsansätze des Senats

In Hamburg leben 6.200 Menschen mit HIV/Aids, 900 davon leben mit dem Vollbild Aids. 30 Menschen sind letztes Jahr an HIV/Aids gestorben. Die  medizinischen  Fortschritte  haben  für  viele  Betroffene  zwar  die  gesundheitliche  Situation  verbessert. Trotz  aller  Erfolge  ist Aids  aber  nach  wie  vor nicht heilbar. Es gibt vielmehr eine wachsende Anzahl von Betroffenen, die mit massiven Nebenwirkungen, schweren Begleiterkrankungen oder lebensbedrohlichen Resistenzbildungen zu kämpfen haben. Menschen mit HIV/Aids sind zudem häufig aufgrund erheblich verminderter oder sogar ausgeschlossener Erwerbsfähigkeit in einer schwierigen Lage und müssen oft mit Hartz IV, Grundsicherungsleistungen oder einer kleinen Rente auskommen.
Die  Lebenssituation  der  auf  Sozialleistungen  angewiesenen  Menschen  mit HIV und Aids wird sich nach Expertinnen- und Experteneinschätzungen weiter  verschlechtern.  Geplante  Kürzungen  bei  den  Sozialleistungen  auf  Bundesebene werden die Situation weiter verschärfen. Von der Deutschen AIDS-Stiftung geförderte Beschäftigungsprojekte für langzeiterwerbslose HIV/Aids-Betroffene werden gefährdet.
In 2009 sind mehr als 2.500 Anträge bei der Deutschen AIDS-Stiftung auf Hilfe  in  Notlagen  gestellt  worden.  Die  meisten  Antragstellerinnen  und  Antragsteller benötigen Hilfen in den Bereichen Wohnen, Bekleidung und Medizin.
60 Prozent der Antragsteller bei der Stiftung waren Langzeitarbeitslose oder Hartz  IV-Bezieherinnen  und  -Bezieher.  Das  zeigt:  Die  sozialen  Sicherungssysteme sind nicht in der Lage, existenzielle Notlagen der Betroffenen auszugleichen.
Berichten  zufolge  werden  außerdem  berufstätige  HIV/Aids-Betroffene  auch von  vielen Arbeitgebern  ausgegrenzt.  Und bei der Arbeitsvermittlung  bestehen Berichten zufolge nach wie vor erhebliche Wissenslücken und Vorurteile, sodass erwerbslose Betroffene kaum vermittelt werden.
Der  gesellschaftliche  Umgang  seitens  der  Behörden,  Arbeitsvermittlungen und Arbeitgeber mit an HIV/Aids Erkrankten ist zusammenfassend subtil und führt oft in ein Leben in Armut und in die soziale Isolation.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

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