21. Juli 2009

Erkenntnisse über sexualisierte Gewalt mittels Internet und Handy

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG
Drucksache 19/3599
19. Wahlperiode 21.07.09

Schriftliche Kleine Anfrage
der Abgeordneten Kersten Artus (Fraktion DIE LINKE) vom 15.07.09
und
Antwort des Senats

Betr.: Erkenntnisse über sexualisierte Gewalt mittels Internet und Handy

In den Hamburger Beratungsstellen für Jugendliche, die sexualisierte Gewalterfahrungen erlebt haben, mehren sich die Fälle, in denen Internet und Handys eine Rolle spielen. „Happy Slapping“ (Handyaufnahmen von Gewaltanwendungen und deren Verbreitung über das Internet) und „Cyberbullyings“ (Bedrohung über das Internet) spielen dabei eine ebenso große Rolle, wie das Gefährdungspotenzial durch Chatrooms (Cyber Sex Offending). Letzteres beinhaltet das virtuelle Ausspähen von möglichen Opfern, das von der Aufforderung, über sexuelle Praktiken zu erzählen, über Webcam-Aufnahmen, bis hin zur Verabredung von persönlichen Treffen reicht. Dabei wird vom sogenannten „Grooming“ Gebrauch gemacht, was einen vertrauensbildenden Prozess benennt, durch das die Betroffenen in emotionale Abhängigkeit gebracht werden. Mangelnde Prävention in Schulen und mangelnde Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen, als auch von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern und Lehrerinnen und Lehrern führen nicht selten zu
einem Risikoverhalten der kindlichen und jugendlichen Userinnen und User.

Die JIM-Studie 2008 (Jugend, Information, (Multi-)Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest stellte fest, dass inzwischen jede/-r zweite Jugendliche von seinem Zimmer aus ins Internet gehen kann, dies also weitgehend unkontrolliert nutzt. 49 Prozent aller Chatroomnutzerinnen und -nutzer gaben an, dass sie im Chatroom bereits nach Telefonnummer und Adresse gefragt worden sind. 13 Prozent der Befragten kamen dieser Frage nach und berichteten von unangenehmen Treffen. Diverse Studien
belegen, dass Mädchen zwar stärker gefährdet sind als Jungen, jedoch auch die Betroffenenanzahl von Jungen ansteigt. Die höchstwahrscheinlich betroffenste Altersgruppe ist jene zwischen 13 und 16 Jahren (Stupperich, Petrova, Beetz und Osterheider, Universität Regensburg 2006; Universität Hampshire, N-JOV-Studie). Die JIM-Studie ebenso wie das Deutsche Jugendinstitut
sehen dementsprechend eine hohe Bedeutung in der Vermittlung von Medienkompetenz.
Um sich für die Freie und Hansestadt Hamburg ein realistisches Bild der Gefährdung des Kindeswohls und der Jugendlichen zu bilden und weitergehende Handlungsstrategien zu erfassen, erweist sich eine Evaluation als unumgänglich.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:

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