16. Dezember 2009

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff – Zur aktuellen Lage der HSH-Nordbank

HSH: Es brennt an allen Ecken und Enden

Anfang Dezember wurden die Geschäftszahlen der HSH-Nordbank für die ersten drei Quartale 2009 veröffentlicht (nachzulesen auf der Webseite der HSH).

Die angeschlagene Landesbank fuhr danach in den ersten neun Monaten einen Nettoverlust von rund 821 Mio. Euro ein. 2008 hatte die Landesbank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein im gleichen Zeitraum einen Verlust von 466 Mio. Euro zu verschmerzen. Das dicke Ende kam dann aber erst noch: Per Jahresende 2008 lag der Verlust der Bank dann bei sagenhaften 2,8 Mrd. Euro!

Wenn man die Angaben in der Quartalsbilanz per Ende September 2009 liest, könnte man den Eindruck gewinnen, der Sanierungsprozess der Bank sei auf gutem Wege.

Die Führung der Bank sucht genau diese Lesart zu vermitteln:

• Laut Sanierungskonzept werde die Landesbank auch 2009 und 2010 Verluste machen.

• Wegen der fragilen Konjunkturlage müsse die HSH Nordbank ihre Risikovorsorge deutlich ausweiten und weitere Millionen Euro für mögliche Verluste zurückstellen.

• Als Hauptgrund für das schlechte Ergebnis nennt die Bankführung eine höhere Rückstellung vor allem in der Schifffahrt. Im dritten Quartal wurde die Risikovorsorge um 0,6 Mrd. Euro auf 1,8 Mrd. Euro erhöht.

Gemessen an diesen düsteren Zahlen sei der Verlust von 821 Mio. Euro „etwas besser als in der anfänglichen Planung 2009 erwartet“. Und: Die Garantie der Bundesländer habe nicht in Anspruch genommen werden müssen. Angesichts der Aufwärtstendenz an den internationalen Wertpapierbörsen könne die Bank sogar eine Wertaufholung bei den toxischen Papieren verzeichnen.

Der Tenor der Selbsteinschätzung der Bank, der an die Lobgesänge der früheren Aufsichtsräte Peiner und Freytag erinnert, lautet: Alles im Lot, nur die politische Opposition redet die Bank schlecht. „In der Gesamtschau hat sich die Lage der Bank weiter stabilisiert. Wir bleiben überzeugt, ab dem Jahr 2011 wieder positive Ergebnisse zeigen zu können“, tönt Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher.

Immerhin: Die Verluste sprechen eine eindeutige Sprache. Als Hauptgrund für das schlechtere Ergebnis wird die höhere Risikovorsorge ausgemacht. Doch dies ist wohl weniger als die halbe Wahrheit. Für eine fundiertere Einschätzung müssten weitere Fragen beantwortet werden:

- Wie ist die Entwicklung bei den vielen außerbilanziellen Zweckgesellschaften, für die der HSH-Konzern zwar haftet, deren Zahlen sich aber nicht im Konzernbericht wiederfinden?

- Wieso engagieren sich die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein so massiv für eine Landesbank, die letztendlich laut Bericht für die regionalen Unternehmen und Kunden gar nicht mehr zur Verfügung steht, weil das Neugeschäft fast vollständig eingestellt wurde?

- Warum weist der Bericht Kostenreduktion im Verwaltungsbereich als Erfolg aus, ohne mit einem Wort auf die parallel aufgebauten neuen Kostenstrukturen z.B. bei der HSH-Finanzfonds AöR hinzuweisen? Letztendlich ist das Treuhändermanagement für die große Menge fauler Wertpapierbestände einfach ausgelagert (neudeutsch: outgesourced) worden. Nunmehr haben die SteuerzahlerInnen die entsprechenden Verwaltungskosten zu tragen.

- Wie kann es sein, dass in den Medien zu lesen ist, dass die WestLB als erste Landesbank eine eigene Abbaubank vom SoFFin-Leitungsausschuss genehmigt bekommen hat. Warum ist es der HSH-Nordbank erlaubt, ihre seit dem 1.12. operierende Abbaubank namens „Restructuring Unit“ nicht als „Abbaubank“ bezeichnen zu müssen? Soll diese neu geschaffene Orga-Einheit etwa wieder der BaFin- bzw. SoFFin-Kontrolle entzogen werden?

- Bei der BayernLB muss der Vorstandsvorsitzende Michael Kemmer die Konsequenzen tragen und das Unternehmen verlassen. Warum wird zugelassen, dass Herr Nonnenmacher als mehr als üppig dotierter Vorstandsvorsitzende mit den Worten entlastet und seiner Verantwortung entbunden wird, er sei „nun mal kein ausgewiesener Kapitalmarktexperte“.

- Laut Quartalsbericht wird die HSH-Nordbank beim Rating derzeit mit BBBplus eingestuft. Davon sind die durch die Ländergarantien von Hamburg und Schleswig Holstein unterlegten Positionen ausgenommen. Angesichts der Äußerungen von Herrn Nonnenmacher, man benötige die Hilfe der SoFFin nicht mehr, bleibt zu vermuten, dass hier durch die Hintertür die Gewährsträgerhaftung wieder eingeführt worden ist.

- Wann bekommen wir endlich ein neues tragfähiges Geschäftsmodell präsentiert, das in der Lage ist, den „Karren (wirklich) aus dem Dreck zu ziehen“?

Zusammengefasst: Es ist noch gar nichts „auf gutem Wege“. An allen Ecken und Enden brennt es und man muss befürchten, dass nicht die geringste unplanmäßige Kleinigkeit mehr dazukommen darf, bevor die Lage sich erneut dramatisch zuspitzt. Die Landesbanken haben – wie die Vorgänge in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zeigen – kein tragfähiges zukunftsfähiges Geschäftsmodell. Sie werden mit öffentlichen Geldern in gigantischen Größenordnungen am Leben erhalten. Der Freistaat Bayern hat sich in der Sanierung der Landesbank von einer Tochter (HGAA) getrennt und muss allein dafür einen Verlust von 3,75 Mrd. Euro verbuchen.