9. April 2009

Mammographie-Screening

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG
Drucksache 19/2782
19. Wahlperiode .......2009

Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Kersten Artus (DIE LINKE)
vom 09.04.2009

Betr.: Mammographie-Screening

Am 15. April 2008 startete Hamburg mit dem bundesweiten Programm zur
Früherkennung von Brustkrebs über das Mammographie-Screening. Ziel ist es, die
Brustkrebssterblichkeit zu reduzieren. Weltweit sind sich die WissenschaftlerInnen
jedoch uneinig, inwieweit die Mammographie die Brustkrebssterblichkeit wirklich
senken kann. Gleichzeitig ist eine Minimierung der Belastungen, die mit einem
Mammographie-Screening verbunden sein können, zu gewährleisten.

„Die mit einer Brustkrebs-Früherkennung einhergehenden Untersuchungen sind
keineswegs ausschließlich mit einem Nutzen, sondern auch mit Risiken verbunden.
Dies ist umso mehr zu beachten, als es sich bei Frauen, die
Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen, um primär gesunde Personen
handelt, bei denen nur im Einzelfall eine weiter zu diagnostizierende bzw. zu
behandelnde Brustveränderung im Sinne eines Malignoms vorliegt. Vor allem
müssen falsch positive und falsch negative Befunde als belastende Komponenten
des Gesamtkonzeptes berücksichtigt werden. Informierte Selbstbestimmung und
Beteiligung an den ärztlichen Entscheidungsprozessen haben für die Frauen, die an
einer Teilnahme an den Untersuchungen interessiert sind, eine ganz besonders hohe
Priorität.“1
Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:
1) Welche Daten gibt es zur Brustkrebshäufigkeit in Hamburg?
2) Wie haben sich diese Häufigkeiten seit 1979 entwickelt? Bitte nach Jahren aufschlüsseln.
Soweit weitere Differenzierungen möglich sind – z.B. Alter der Personen,
bitte ausweisen.
3) Wie viele Frauen aus welchen Bezirken wurden seit dem Start zum Mammographie-
Screening-Centers in Hamburg eingeladen?
4) Wie viele der eingeladenen Frauen haben am Mammographie-Screening im
Mammographie-Screening-Zentrum Hamburg teilgenommen?
1 Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms
5) Gibt es Informationen von denjenigen, die nicht zum Screening gekommen
sind, welche Gründe hiefür vorlagen?
a) Wenn ja: wie genau lauten diese und wie groß ist deren Häufigkeit?
b) Wenn nein: gibt es Überlegungen nachzufragen?
6) Wie viele Aufnahmen mussten wegen mangelhafter Bildqualität wiederholt werden?
7) Wie viele Aufnahmen befundete im Minimum, im Maximum und im Mittel jeweils
ein Arzt bzw. eine Ärztin?
8) In wie vielen Fällen musste ein dritter Arzt bzw. eine Ärztin zur Befundung hinzugezogen
werden?
9) Befundende ÄrztInnen haben in jährlichen Abständen eine von der Kooperationsgemeinschaft
zusammengestellte Fallsammlung von anonymisierten Screening-
Mammographieaufnahmen zu beurteilen (Richtlinie des G-BA, k (3)). Fand
dies bereits statt?
a) Wenn ja: Bei wie viele ÄrztInnen sind gravierenden Mängel aufgetreten?
b) Wenn nein: Wann wird das stattfinden?
10) Wie viele positive Befunde (Frauen mit Brustkrebsverdacht) hat es seit dem
Start gegeben?
a) Wie viele davon waren richtig und wie alt waren die Betroffenen?
b) Wie viele davon waren falsch und wie alt waren die Betroffenen?
c) Bei wie vielen steht ein abschließendes Ergebnis noch aus?
11) Wie viele negative Befunde (Frauen ohne Brustkrebsverdacht) hat es seit dem
Start gegeben?
a) Gibt es schon Erkenntnisse wie viele davon falsch-negativ waren (Frauen, bei
denen im Screening kein Brustkrebs entdeckt wurde, aber doch Brustkrebs
hatten)? Und wenn ja, wie viele waren es bis jetzt?
12) Welche Vergleichszahlen gibt es aus anderen Mammographie-Screening-Zentren
zu dem Anteil von falsch positiven und falsch negativen Befunden? Bitte
nach Zentren darlegen.
13) Welche Aussagen ergeben sich dadurch für Sensitivität, Spezifität und wie
hoch ist die Treffsicherheit (positiver Vorhersagewert) beim Screening bezogen
auf die Hamburger Daten?
14) Ab welcher Teilnahmequote verfügt das Mammografie-Screening über aussagefähige
Zahlen, die Rückschlüsse auf das Brustkrebserkrankungsrisiko von
Hamburgerinnen?
15) Sofern die Teilnahmequote zu gering ist: Welche Konsequenzen ergeben sich
daraus für den Senat in Bezug auf die psychische Belastung, die Frauen durch
ein Mammografiecreening erleiden und in Bezug auf den Sinn von Reihenuntersuchungen?
16) Welche Qualitätssicherungsmaßnahmen wurden bislang vom Mammographie-
Screening Zentrum Hamburg durchgeführt und welche sind geplant?
17) Wie viele Menschen aus welchen Berufsgruppen sind im Mammographie-
Screening Zentrum Hamburg tätig?
18) Über welche spezielle Aus- und Fortbildungen verfügen diese Berufsgruppen
im Mammographie-Screening Zentrum Hamburg?
19) Welche Informationen über Vor- und Nachteile des Mammographie-Screenings
erhalten die Frauen mit dem Einladungsschreiben, damit sie eine wirklich informierte
Entscheidung treffen können? Bitte beifügen.
20) Bietet das Mammographie-Screening Zentrum Hamburg auch eine persönliche
Beratung an, die vor der Entscheidung für oder gegen das Mammographie-
Screening stattfindet?
a) Wenn ja, wie häufig und mit welchem Erfolg wird das angenommen?
b) Wenn nein, warum nicht?
21) Das Einladungsschreiben führt aus: „Die Teilnahme am Screening ersetzt nicht
die jährliche Krebsfrüherkennung bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.“ Ist sichergestellt,
dass es dadurch nicht zu doppelten Mammografie-Untersuchungen
kommt?
a) Wenn ja, wodurch genau?
b) Wenn nein, warum nicht?
22) Das Einladungsschreiben führt aus: „Wenn Sie an dem Programm nicht teilnehmen
möchten und Wert darauf legen, in zwei Jahren nicht wieder eingeladen
zu werden, teilen Sie uns dies bitte mit. Wir werden Sie dann nicht mehr
anschreiben.“ Gibt es Belege, dass sich die Einstellung zu Mammographie-
Screening in zwei Jahren nicht ändert?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum werden die Frauen, die einmal nicht teilnehmen möchten
von der Einladung zwei Jahre später ausgeschlossen?
23) Gibt es Frauen, die eine familiäre Belastung durch Brustkrebs haben, aber
trotzdem keine Vorsorgeuntersuchungen bei GynäkologInnen in Anspruch nehmen?
a) Wenn ja, warum werden sie vom Mammographie-Screening ausgeschlossen?
b) Wenn nein, welche Belege gibt es hierfür?
24) Welche Geräte kommen im beim Mammographie-Screening Hamburg zum
Einsatz?
25) Was haben diese Geräte bei der Anschaffung gekostet und wann sind sie abgeschrieben?

Die Fragen der Abgeordneten und die Antworten des Senats finden Sie hier