BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG
Drucksache 19/2542
19. Wahlperiode
11.03.2009
Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Kersten Artus (DIE LINKE)
Betr.: Standardisiertes medizinisches Abfrage-Protokoll, Rettungsdienst
Seit dem 3. April 2008 werden in der Hamburger Rettungsleitstelle der Feuerwehr Notrufe nach den Vorgaben des „Standardisierten medizinischen Abfrage-Protokolls“ (SMAP) aufgenommen. Vorher lief eine zweimonatige Testphase. Die Feuerwehr Hamburg erhofft sich durch SMAP eine Optimierung der bei der Notrufannahme erfragten Daten zum Zustand des Patienten.
Ihren Ursprung haben solche standardisierten Befragungsabläufe in den USA unter der Vorgabe Fehlaussendungen zu vermeiden und dadurch Kosten zu sparen. In Berlin wird zum Teil seit 2005 mit dem Standardisierten Notrufabfragesystem (SNAP) gearbeitet, einem Produkt der Firma Priority Dispatch aus Salt Lake City/USA, dessen Einsatz sich zumindest am Anfang sehr problembehaftet zeigte.
Dies vorausgeschickt frage ich den Senat:
1) Gab es ein Verfahren, das zur Auswahl des „Standardisierten medizinischen Abfrage-Protokolls“ (SMAP) geführt hat?
a) Wenn ja, welches?
b) Wenn nein, warum nicht?
2) Wer sind Entwickler und Eigentümer von SMAP?
3) Welche Kosten, Verträge und Lizenzen mit welcher Laufzeit sind im Zusammenhang mit SMAP entstanden?
4) Wurde der Einsatz anderer standardisierter Verfahren (wie z.B. das NOAS) in Erwägung gezogen?
a) Wenn ja, welche Motive haben zur Wahl von SMAP geführt?
b) Wenn nein, warum nicht?
5) Welche Erfahrungen mit ähnlichen standardisierten Verfahren in anderen Staaten (z.B. USA) oder anderen Bundesländern (z.B. SNAP in Berlin) gibt es?
6) Worin unterscheidet sich SMAP von SNAP?
7) Wurde die zweimonatige Testphase evaluiert?
a) Wenn ja, wie sahen die Ergebnisse im Einzelnen aus?
b) Wenn nein, warum nicht?
8) Wie wurden die DisponentInnen auf den Einsatz von SMAP vorbereitet?
9) Wie viele DisponentInnen sind zur Zeit in der Rettungsleitstelle tätig und wie viele von ihnen wurden im Umgang mit SMAP geschult?
10) Welchen zeitlichen Umfang haben diese Schulungen?
11) Kommt SMAP bei jedem Notruf in Hamburg zur Anwendung?
Wenn ja:
a) Kommt es zu SMAP-Protokollabbrüchen? Gegebenfalls wie häufig und aus welchen Gründen?
Wenn nein:
b) Welche andere Einsatzleitsystemsoftware wird eingesetzt?
c) In welchem Umfang (Anteil an Notrufgesprächen) passiert dies?
d) Erfolgt dies ersetzend oder ergänzend?
e) Kommt es zu Problemen durch den Einsatz verschiedener Systeme? Falls ja, bitte angeben welche Probleme auftreten.
12) Wie ist die Reihenfolge der laut SMAP zu stellenden Fragen?
13) Stimmt diese Reihenfolge mit der Reihenfolge einer Notfallmeldung (W-Fragen-System) überein, die jedeR in einem Erste Hilfe Kurs lernt?
a) Wenn nein, warum und inwiefern nicht?
14) Wie viel Zeit verging jeweils in den Jahren 2006, 2007 und 2008 zwischen der Annahme eines Notrufs und dem Ausrücken des Rettungsfahrzeugs? Bitte jeweils die minimal und maximal verstrichene Zeit, sowie den Median und das arithmetische Mittel angeben.
15) Welche Institutionen/Organisationen wurden in welchem Umfang jeweils in den Jahren 2006, 2007 und 2008 durch die DisponentInnen mit der Versorgung der Notfälle beauftragt?
16) In wie vielen Fällen in den Jahren 2006, 2007 und 2008 stellte sich der Einsatz des Rettungsdienstes als Fehlfahrt (Ablehnung einer Beförderung ohne Notwendigkeit einer Hilfeleistung) heraus? Bitte aufteilen nach durchführenden Organisationen.
17) In wie vielen Fällen seit Einführung von SMAP wurden Anrufer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes weiter telefonisch betreut?
18) In wie vielen der unter 17) genannten Fälle wurden von den DisponentInnen Anleitungen zur Reanimation ausgesprochen? War dies jeweils erfolgreich?