1. April 2010

„Gewalt auf Hamburgs Fußballplätzen“

Quelle: Pixelio/Rike

Unter dieser Überschrift wird auf der heutigen Bürgerschaftssitzung ein Thema diskutiert, das in den vergangenen Wochen wieder einmal die Medien bewegt und die Gemüter erhitzt hat. Hintergrund dafür sind einige gewalttätige Vorfälle in den oberen Ligen, die die SPD-Bürgerschaftsfraktion zu einer Großen Anfrage (Bürgerschafts-Drucksache 19/5142) veranlasst hat. Heute wird nun über die Antwort des Senats und die verschiedenen Aspekte des Phänomens Gewalt im Fußball zu beraten sein.

Obwohl laut Angaben der Polizei die gewalttätigen Konflikte bei Fußballspielen in 2009 um 30 % über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre gelegen hätten, stellt sich bei Lichte betrachtet die Lage nicht ganz so dramatisch dar. Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte 2007 hatte der „Hamburger Fußball-Verband“ (HFV) unter den 26.000 Spielen lediglich 14 Mal „Gewaltvorkommnisse“ an die Polizei gemeldet, 2009 waren es 30 Meldungen für gut 30.000 Begegnungen. Vermutlich jeder Hamburger Dom, erst Recht jedes Münchener Oktoberfest sorgt für mehr Straftaten, als eine ganze Ligensaison, und doch steht immer wieder der Fußball vor der Anklagebank.

Zweifelsohne sind die kürzlichen Krawalle in Berlin und auch die Probleme beim St. Pauli-Spiel am vergangenen Wochenende Ernst zu nehmen, aber es handelt sich dabei dennoch um seltene Ausnahmeerscheinungen. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren von Seiten der Sportverbände eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt worden, die in ihrer großen Breite von Anti-Gewalt-Kampagnen und Stadionumgestaltungen über Sicherheits- und Präventionskonzepte bis hin zu Strafenkatalogen und Fairness-Preisen in die richtige Richtung weisen.

Entscheidend scheint mir allerdings der Umgang mit den Fans selbst zu sein, die zu Zehntausenden alleine in Hamburg in Fanclubs (z.B. im „Supporters Club“ des HSV) organisiert sind. Diese fußballbegeisterten, meist jugendlichen oder jungerwachsenen Menschen verwenden einen erheblichen Teil ihrer Begeisterungsfähigkeit und auch des ihnen zur Verfügung stehenden Geldes für den jeweils favorisierten Verein. Diese Leidenschaftlichkeit muss von den Vereinen und Verbänden noch stärker gewürdigt, die Fans müssen vernünftig behandelt und in die Geschehnisse des Fußballs (z.B. bei Festlegung der Regularien im Stadion) aktiver einbezogen werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Fanprojekten zu, die mit einem seit Jahren mehr oder weniger festliegenden Budget in Höhe einer Viertelmillion Euro viel zu gering ausgestattet sind.

Darüber hinaus halte ich das bisweilen martialische Auftreten der Polizei für kontraproduktiv, insbesondere dann, wenn noch gar nichts geschehen ist und das Verhalten der Sicherheitskräfte eher zum Anheizen der Situation beiträgt. Ich empfehle daher dringend, den Kontakt zu den Fans nachhaltig zu verbessern, Feindbilder abzubauen und Deeskalationskonzepte, wie sie offenbar erfolgreich in Hannover realisiert werden, stärker zu beherzigen.