Der Rechnungshof hat heute bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2010 dem Senat
nicht nur zahlreiche Fälle unzureichender Effizienz, erheblicher Mängel bei
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit und damit Verschwendung öffentlicher Gelder vorgeworfen, sondern auch generell ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Der
Präsident Meyer-Abich kleidete dies in die Frage: "Vernachlässigen des Bestehenden
und Neues als Hochglanz auf Kredit und Hoffnung, wirklich zwei Seiten einer
Medaille? Wäre nicht Wachsen mit Weitsicht nachhaltiger?"
Der Verfall bestehender öffentlicher Infrastruktur führe zu dramatischen
Wertverlusten, bei Neuplanungen werden Mittel für den Erhalt vernachlässigt, wie
beim Ausbau der Radwege. Baukostensteigerungen seien in Hamburg ein Generalproblem, die Ursachen liegen vor allem in nicht ausreichend sorgfältiger Planung. Gerade bei politisch besonders gewünschten Projekten, wie z.B. dem Bildungszentrum "Tor zur Welt", wird auf Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen gerne gleich ganz verzichtet.
Dazu erklärt Dr. Joachim Bischoff, haushaltspolitischer Sprecher der
Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE: "Die präsentierten Fakten und Zusammenhänge stellen der Regierungskoalition und ihrer Politik ein verheerendes Zeugnis aus. 2008 und 2009 sind die öffentlichen Ausgaben in Hamburg in massiver Weise ausgeweitet worden. Vor diesem Hintergrund stellen die unakzeptablen Fehlentwicklungen eine Gefährdung der Zukunft der Hansestadt Hamburg dar.
Gleichermaßen erschüttert bin ich darüber, dass wie bei den Schulgebäuden oder den
Grünflächen auch in der Verkehrsinfrastruktur Staatsvermögen in Milliardenhöhe
verfällt und später extrem teuer saniert werden muss. Das Urteil ist eindeutig: die
Senatskoalition hat aus den Fehler der Vergangenheit nicht gelernt und ist
offenkundig nicht willig den hohen und fortschreitenden Werteverlust für die Stadt
zu stoppen. Beim Radwegebau und den "Modernisierungsprojekten" in Wilhelmsburg wird offenkundig wiederum gegen das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit der Investitionen massiv verstoßen. Die Liste der Mängel ist lang und bedrückend."
Eine vernichtende Zensur erhält auch die Konzeption "Hafen finanziert Hafen". Die
mit der Gründung der Hamburg Port Authority (HPA) verbundene Zusage des Senats, dass sich künftig die Ausgaben für die Herzkammer der Wirtschaft selbst finanzieren
würden, war eine pure Illusion. Die notwendigen Aufwendungen für Betrieb und
Instandhaltung der Hafeninfrastruktur können derzeit von der HPA nur zu rund 50 %
aus eigener Kraft finanziert werden. Eine Verbesserung der Erlösquellen des
Unternehmens - Mieten und Hafengeld ist - nur begrenzt möglich; unter Bedingungen
der schweren Wirtschaftskrise entfällt diese Möglichkeit für die mittelfristig. Die
Erlöse aus dem Teilverkauf der HHLA ("HHLA-Milliarde") werden - entgegen der vom
Senat immer wieder behaupteten Absicht - nicht für zusätzliche Investitionen im
Hafen verwendet, sondern ersetzen im Ergebnis vormals im Haushalt veranschlagte
Mittel. In diesem Fall sind wir mit einer folgenreichen konzeptionellen
Fehlbeurteilung durch die Politik konfrontiert.
"Ich hoffe, dass es bei der Beratung in der Bürgerschaft gelingt, nicht nur die
konkreten Verantwortlichkeiten für diese Misswirtschaft mit öffentlichen Mitteln
aufzuhellen, sondern dass es dieses Mal auch eine Veränderung in der Ausrichtung der
Politik gibt. Wir alle dürfen nicht zulassen, dass sich eine Stimmung breit macht,
in der Politik sind ohnehin keine wesentlichen Verbesserungen in Sachen
Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit zu erreichen", schließt Bischoff.