Die Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd ist ökonomisch in rauer See und muss als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise mit frischem Kapital gestützt werden. Überraschen können die Nachrichten nicht, dass Hapag Lloyd im laufenden Jahr mit Verlusten rechnen muss.
Die Rahmenbedingungen für Reedereien sind wegen der starken Schrumpfung der Globalökonomie und der in den letzten Jahren aufgebauten Überkapazitäten im Schiffstransport schlecht.
Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat für die notwendige Aufmerksamkeit gesorgt: die Lage sei ernst, die Gesellschafter es Unternehmens müssten bei der Sanierung alle an einem Strang ziehen und: "Hapag-Lloyd darf nicht zu einem Fass ohne Boden werden“.
Die Branche hat mehrere wirtschaftlich schwierige Jahre vor sich. Auch Hapag Lloyd, die nach Kapazität die fünftgrößte Containerreederei der Welt ist, kann sich der schweren Weltwirtschaftskrise nicht entziehen. Das Unternehmen hat aufgrund des dramatischen Rückgangs beim Welthandel im ersten Quartal 222 Mio. Euro Verlust gemacht. Bis Ende Juni wuchs dieser auf rund 500 Mio. Euro an. Bis Mitte 2010 rechnet das Unternehmen mit weiteren Verlusten.
Die Unternehmensverluste sind allerdings auch ein weiteres Finanzrisiko für die Freie und Hansestadt Hamburg. Hamburg hält im Hamburger Konsortium mit knapp 500 Mio. Euro den größten Anteil. Es wird einige Zeit dauern, bis Hamburg sich von diesem Unternehmensengagement wieder trennen kann und insofern könnte auch die Übernahme eines Teils der Verluste nicht überraschen.
Seit die Stadt Hamburg Anfang des Jahres für knapp 500 Mio. Euro mit 23 Prozent bei der Reederei eingestiegen ist, geht eine schwere Krise, wie sie das Unternehmen derzeit erlebt, auch die Freie und Hansestadt Hamburg viel an. Bis zu 1,75 Mrd. Euro frisches Geld benötigt Hapag-Lloyd. 750 Mio. Euro davon sollen die Gesellschafter - der Reisekonzern TUI und ein Konsortium von Hamburger Unternehmen und der Stadt – nachschießen.
Die TUI AG, Hannover, kann ihrer Reedereitochter Hapag-Lloyd finanziell unter die Arme greifen. Der Aufsichtsrat des Touristik- und Schifffahrtskonzerns hat dem Vorstand grundsätzlich grünes Licht zur anteiligen Unterstützung gegeben.
Die Aktienmehrheit von Hapag-Lloyd war im vergangenen Herbst vom Alteigentümer TUI an ein Hamburger Konsortium verkauft worden, zu dem unter anderen die Stadt Hamburg, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne und die Privatbank M. M. Warburg zählen.
Die Erwerber hatten mit Hinweis auf die Wirtschaftskrise in den vergangenen Monaten mit TUI um bessere Verkaufskonditionen gerungen. Der Reisekonzern TUI bleibt infolge der Finanzmarktkrise wesentlich stärker beteiligt als zunächst geplant. Er behält an Hapag-Lloyd einen Anteil von 43,3 Prozent. Die Hansestadt ist Mitgesellschafter des Konsortium Albert Ballin. in diesem Konsortium hält der Unternehmer Klaus-Michael Kühne 27 Prozent, die Stadt Hamburg mit 41 Prozent und die restlichen Anteile sind von der M.M.Warburg Bank, der Versicherung Signal Iduna, der HanseMerkur und der HSH Nordbank übernommen worden.
Mit großer Wucht hat der globale Konjunkturabschwung den maritimen Container-Verkehr erreicht. Nach Jahren der Nachfrageexpansion, die für Rekordpreise gesorgt hatte, sind im letzten Quartal des vergangenen Jahres Transportvolumen und Tarife weltweit eingebrochen. Beispiel: Die in Singapur ansässige NOL, die 2008 noch Interesse an einer Übernahme von Hapag-Lloyd bekundet hatte, hat inzwischen die Belegschaft um rund 10% abgebaut und bis zu einem Viertel ihrer Kapazität aus dem Verkehr genommen.
In Hamburg geht man jetzt auch davon aus, dass sich das Container-Geschäft, erst ab 2012 wieder beleben wird. Im Klartext: Die Reederei muss für 2009-2011 mit roten Zahlen rechnen und entwickelt auf dieser Grundlage eine Sanierungskonzeption, um das Unternehmen durch die Krise zu bringen.
Mit Elan haben die vermeintlichen Wirtschaftsprofis im Hamburger Rathaus sich ein zusätzliches Problemfeld beschafft. Nach der massiven Etatüberziehung bei der Elbphilharmonie und dem teuren Sanierungsprogramm für die HSH Nordbank wird der Senat mit einer weiteren Baustelle konfrontiert. Dazu ein fragwürdiger, weil nicht solide finanzierter Doppelhaushalt.
Es geht darum für Hamburg ein wichtiges Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen zu retten und nicht nur um eine Bürgerschaftsoperation. Der schwarzgrüne Senat macht weiterhin auf Optimismus. Gedanken über das sich abzeichnende Krisenszenario und eine Krisenkonzeption für die Regionalökonomie sind verpönt. Mit Einsatz der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse werden wie bei der Elbphilharmonie und der HSH Nordbank alle Probleme weggedrückt.
Gewiss, die Dimension der Krise ist neu; aber gerade dies sollte die Politiker der Mehrheitsfraktion zu neuen Überlegungen und Anstrengungen veranlassen. Das berühmte "Weiter so" von Finanzsenator Freytag und seinen schwarzgrünen Gefolgsleuten wird für die Hansestadt in einem großen Desaster enden.
Auf die Stadt Hamburg kommen gemäß der Sanierungskonzeption 170 Mio. Euro zu, weil den größten Anteil am Hamburger Konsortium „Albert Ballin“ hält. Die anderen Beteiligten am Konsortium sollen 255 Mio. Euro zusätzlich Kapital aufbringen. Die TUI AG mit einem Anteil von 43% muss 325 Mio. Euro einschießen. Der Großaktionär TUI hatte bereits eine Kreditlinie von 1,4 Milliarden Euro bereitgestellt, die offenkundig für die nächsten Monate nicht ausreicht. Daher sollen Bankkredite über rund eine Milliarde Euro aufgenommen und durch den Bund und die Freie und Hansestadt verbürgt werden.
Um kurzfristig über die Runden zu kommen, braucht das angeschlagene Schifffahrtsunternehmen noch im August 300 Mio. Euro frisches Geld. Im Gegenzug soll es seinen Anteil von 25,1% am Containerterminal Altenwerder (CTA) den Gesellschaftern überlassen. Hapag-Lloyd verliert damit ein Anlagengut, bekommt aber die dringend benötigte Liquidität, um seinen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Und das zu einem Preis, der nicht nur in Krisenzeiten schwer zu erzielen ist.
Zudem muss Hapag-Lloyd ein hartes Sparprogramm abarbeiten, das der Unternehmensberater Roland Berger erstellt hat. Dazu gehört ein Abbau bei den rund 360 Kontoren, die Hapag-Lloyd in über 130 Ländern betreibt. Etwa zehn Prozent der weltweit 7.500 Arbeitsplätze könnten verloren gehen. Liniendienste werden reduziert und in Gemeinschaftsfahrten mit Partnern betrieben. Auch in der Verwaltung ist eine Kooperation mit anderen Unternehmen nicht ausgeschlossen.
Der tatsächliche weitere Finanzierungsbedarf ist abhängig vom Verlauf der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen internationalen Verlauf. Die Situation im Containergeschäft ist auch mit Blick auf die nächsten Monate unverändert kritisch, Einnahmen und Transportmengen sind rückläufig. Der gesamten maritimen Wirtschaft in Deutschland geht es schlecht. Die Branchen - Werften, Reedereien, Schiffsfinanzierer und die Logistik – leiden unter einem drastischen Verfall der Frachtraten für Container. Auslöser dieses heftigen Absturzes ist ein Rückgang der Transportmengen bei gleichzeitig wachsenden Kapazitäten.
Der schwarz-grüne Senat handelt angesichts der massiven Wirtschaftskrise zu defensiv. Es hilft nicht weiter immer nur für einzelne Unternehmen Lösungen zu entwickeln. Da die maritime Wirtschaft mehrere wirtschaftlich schwierige Jahren vor sich hat, muss ein übergreifendes Strukturkonzept angeboten werden.
Immer deutlicher zeigt sich zudem, dass der Logistikunternehmer Kühne von seinem Firmensitz in der Schweiz aus seine eigenen unternehmerischen Interessen verfolgt und in dem Gesellschafterkonsortium „Albert Ballin“ keineswegs eine auf die Unternehmensführung von Hapag-Lloyd ausgerichtete Konzeption mittragen will.