5. November 2009

Gelungene Festveranstaltung zu 90 Jahren Einheitsschulgesetz

Die Akteure der szenischen Lesung

Über 200 begeisterte Zuschauer haben am Dienstag an der Festveranstaltung der Fraktion DIE LINKE zu 90 Jahre Einheitsschulgesetz teilgenommen. Am 14. Mai 1919 hatte die Hamburgische Bürgerschaft – im Zuge der Novemberrevolution von 1918 und auf Initiative des Arbeiter- und Soldatenrats – das „Gesetz betreffend die Einheitsschule“ beschlossen. Damit wurden die bis dahin üblichen Vorschulen und damit die Aufteilung der Kinder schon ab Klasse 1 auf unterschiedliche Vorschulen verboten und stattdessen die Grundschule als eine Schule für alle und die Lehr- und Lernmittelfreiheit eingeführt. Das sind heute – leider – noch immer aktuelle Fragen. Für die Einheitsschule haben Linke über 150 Jahren gekämpft.

  • So ist bereits in der Hamburgischen Verfassung von 1849 auf Drängen des Leiters der Jüdischen Armenschule Dr. Anton Ree die „Volksschule für alle“ beschlossen worden. Leider ist diese Verfassung nicht in Kraft getreten, weil preußische Truppen die Verfassungsgebende Versammlung 1850 auseinander getrieben haben.
  • 1899 hat die Schulsynode, dem entspricht heute die Lehrerkammer, in ihrem Entwurf für ein Unterrichtsgesetz die Einheitsschule gefordert.
  • 1905 hat die damalige, fortschrittliche Sozialdemokratie auf ihrem Heidelberger Parteitag die Einheitsschule ins Programm aufgenommen.

Die Einheitsschule haben die reaktionären Kräfte mit den unterschiedlichsten Behauptungen zu verhindern versucht. So wurde behauptet, man dürfe nichts übereilen, man müsse sich Zeit lassen, es sei zu teuer. Oder: Es dürfe nicht so viele Gebildete geben, weil man auch Dienstboten brauche. Oder: Die Kinder der unteren Klassen würden die Kinder der besseren Kreis verderben.

Beeindruckend war insbesondere, wir sehr sich die Argumente von damals und heute gegen längeres gemeinsames Lernen ähneln, nur mit dem Unterschied, dass damals noch offen von „geringeren Klassen“ und „höheren Ständen“, von „Einheitsschule“ und „Standesschule“ geredet wurde. Nachdenklich musste stimmen, dass erst eine Revolution nötig war, um 4 Jahre gemeinsames Lernen zu erreichen.

Die Grundschule bzw. die Einheitsschule ist die erfolgreichste Schule Deutschland, wie zuletzt die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung gezeigt hat. Wenn diese erfolgreichste Schule zwei Jahre länger dauert, dann ist das gut – auch wenn uns das nicht reicht. Wir wollen mehr. Wir wollen ein einheitliches und demokratisches Bildungswesen mit der Einen Schule für Alle bis Klasse 10 als Kern.

Die Veranstaltung hatte eine innovative Form. Es wurden keine langen Referate gehalten, sondern es wurde in einer szenischen Lesung die Auseinandersetzung der Bürgerschaftssitzungen und die Vorgeschichte nachgespielt. Professionelle Unterstützung von renommierten Hamburger Theaterfachleuten machten diese Aufführung erst möglich.

SprecherInnen waren:

  • Horst Bethge (Lehrer a.D., BAG Bildungspolitik DIE LINKE 
  • Sabine Boeddinghaus (ehem. MdBH SPD)
  • Klaus Bullan (Berufsschullehrer, Vorsitzender der GEW Hamburg)
  • Julian Georg (Schulsprecher, Europäisches Jugendparlament)
  • Anja Frotscher (Grundschullehrerin)
  • Uwe Grund (Vorsitzender DGB Kreis Hamburg, MdBH SPD)
  • Dora Heyenn (Gymnasiallehrerin, Fraktionsvorsitzende DIE LINKE, MdBH)
  • Ute Krabbenhöft (Lehrerin)
  • Prof. Dr. Ingrid Lohmann (Erziehungswiss., Uni Hamburg)
  • Prof. Dr. Norman Paech (ehem. MdB DIE LINKE)
  • Dr. Mathias Petersen (Arzt, MdHB SPD)
  • Prof. Dr. Herbert Schui (MdB DIE LINKE)

 Das Skript der szenischen Lesung finden Sie als PDF-Datei hier.