28. Mai 2009

Keine Trendwende am Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg ist im Mai 2009 leicht gesunken. Im aktuellen Monat waren 79.018 Hamburger arbeitslos, das sind 1.705 oder 2,1 % weniger als im Vormonat April, in dem 80.726 Arbeitslose gezählt wurden. Ist dies ein Zeichen, dass die schwere Wirtschaftskrise schon am abklingen ist?

Eine solche Interpretation geht ins Leere. Im Vergleich zum Mai 2008 hat sich der Bestand der arbeitslosen HamburgerInnen um 5.503 oder 7,5 %  deutlich erhöht. Im Bundesdurchschnitt stieg die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich „nur“ um 5,3%. Die aktuelle Arbeitslosenquote in Hamburg liegt bei 8,6 % und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 8,2%. Im Vormonat betrug sie 9,0 %.

Der leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit im abgelaufenen Monat erklärt sich zum einen aus einer späten Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt mit einer gestiegenen Nachfrage nach Arbeitskräften aus Bau, Tourismus, Gastronomie, Garten- und Landschaftsbau. Zum anderen wurden mehr arbeitsmarktpolitische Instrumente eingesetzt (Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigungszuschuss und „mittenmang“, ein Beschäftigungsprojekt für Ältere).

Erfreulich ist neben dem, wenn auch bescheidenen, Rückgang der Arbeitslosenzahlen, dass in Hamburg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse noch zu nimmt. Das war im März ein Plus von 2,2% Prozent oder 17.100 zusätzlichen Arbeitsplätze. Besonders im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen (+7.900), dem Gesundheits- und Sozialwesen (+3.000) und dem Bereich Verkehr und Lagerei (+2.500) sind neue Arbeitsplätze entstanden. In der Zeitarbeitsbranche gingen allerdings 2.100 Arbeitsplätze verloren.

Dennoch besteht kein Grund zur Entwarnung für den Hamburger Arbeitsmarkt. Die Zugänge in Arbeitslosigkeit befinden sich auf hohem Niveau. So mussten sich im laufenden Jahr allein 41.796 Hamburger aus vorangegangener Erwerbstätigkeit arbeitslos melden. Das sind 5.635 oder 15,6% mehr als im Vorjahresmonat.

Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Arbeitsaufnahmen in Erwerbstätigkeit verringert. So konnten bis Ende Mai 2009 insgesamt 29.499 HamburgerInnen eine Erwerbstätigkeit beginnen, also 3.416 oder 10,4% weniger als im Vorjahr. Ein weiteres Indiz für die sich verschlechternde Arbeitsmarktsituation ist der Rückgang der bei der BA gemeldeten Stellen um 22,8 Prozent seit Jahresanfang.

Ein stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit wird durch die massive Inanspruchnahme der Kurzarbeit in Hamburg verhindert. Gegenwärtig arbeiten etwa 25.000 HamburgerInnen unfreiwillig kurz. Nach Berechnungen der BA ergibt sich bei einem durchschnittlichen Arbeitsausfall der KurzarbeiterInnen von 34,5% daraus eine potenzielle Entlastung der Arbeitslosigkeit um 8.000.

Wir müssen deshalb für die nächsten Monate, vor allem dann im Herbst, von einem weiteren massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgehen. Dann wird der Rückgang des BIP um geschätzte 7-8% voll durchschlagen. Anders als in 2008, als die Arbeitslosigkeit im Herbst unter 70.000 gedrückt werden konnte, werden wir Ende des Jahres deutlich in Richtung 100.000 Menschen ohne Arbeit marschieren. Und: Es wird dann noch deutlicher zu Tage treten, dass die hohe Exportlastigkeit der Hamburger Wirtschaft auch zu einer entsprechenden Belastung des Arbeitsmarkts führt. Angesichts dieser voraussehbaren Entwicklung ist die Verweigerungshaltung des Senats in Sachen Arbeitsmarktpolitik geradezu verantwortungslos.