Evaluation der Hamburger Privattheater (Selbstbefassungsangelegenheit)

  • 20. November 2008

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG

  1. Sitzung

Donnerstag, 20. November 2008

 

Evaluation der Hamburger Privattheater (Selbstbefassungsangelegenheit)

Drs 19/1382 –

 

Norbert Hackbusch DIE LINKE:

Herr Präsident, meine Damen und Herren!

Fangen wir einmal so an: Ich habe das Gutachten sehr gerne gelesen. Vieles ist gut dargestellt worden. Bestimmte Dinge sind bereits gelobt worden, wo sie gelobt werden sollten. Ich will aber eine andere Lesart einbringen. Was uns das Gutachten gezeigt hat, ist, dass sich in Hamburg eine sehr vitale, differenzierte, spannende und interessante Theaterszene entwickelt hat, und zwar im Wesentlichen ohne Förderung des Hamburger Senats.

Vorher sind zehn Theater gefördert worden und insgesamt 26 haben sich zu vitalen Theatern entwickelt, das heißt, der Senat ist eigentlich mit seiner Förderung etwas zu spät gekommen. In gewisser Weise muss man die Bilanz auch so ziehen und auch das Gutachten so lesen, dass die bisherige Kulturpolitik des Senats an dieser Stelle etwas verschlafen war.

Zweitens: Man hat jetzt das Gefühl, es sei alles gesichert und geklärt. Die 2 Millionen Euro Erhöhung, die stattgefunden hat, war existenziell absolut notwendig. Ansonsten – und das wurde uns in dem Gutachten deutlich dargestellt – hätten wir erlebt, dass etliche Theater zusammengebrochen wären und nicht weiter hätten existieren können. Von daher finde ich das Ergebnis, das dabei herausgekommen ist, wunderbar, aber es war auch notwendig, um diese Theaterlandschaft überhaupt erhalten zu können.

Drittens: Die Aufgabe, die die Gutachter bekommen haben, war eigentlich, den Etat nicht zu erhöhen. Das wurde jetzt gar nicht erwähnt. Das Gutachten wurde dahingehend in Auftrag gegeben, dass man sich überlegen sollte, wie man die 4 Millionen Euro, die man bisher zur Verfügung hatte – so steht es jedenfalls im Gutachten – vernünftig aufteilen kann, dass auch andere Kriterien herangezogen werden. Sehr deutlich und klar haben die Gutachter – und für diesen Mut möchte ich Sie ausdrücklich loben und sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat – ausgeführt, dass man nur dann, wenn die Unterstützung jährlich auf 6 Millionen Euro erhöht wird, in der Lage sei, diese Theaterlandschaft existenziell in Hamburg zu erhalten.

Das ist, glaube ich, ein sehr mutiger Schritt gewesen, diesen Konflikt in einem Gutachten deutlich zu machen und die Leidenschaft für das Theater so auszudrücken, dass die Art und Weise, wie wir häufig den Kulturetat der Theaterlandschaft ausstatten, meistens zu gering ist. Auch das haben Sie in diesem Gutachten deutlich, mutig und schön erklärt.

Die letzte Sache – das hat Frau Oldenburg schon ausgeführt – ist leider eine Sache, die wir auch deutlich berücksichtigen müssen. Die Situation derjenigen, die dort beschäftigt sind, und die der gesamten kulturellen Szene in Hamburg ist prekär. Das wurde in diesem Gutachten ebenfalls dargestellt. Es sind sehr schlechte Arbeitsbedingungen. Dort werden Ein-Euro-Jobs eingesetzt, obgleich jeder weiß, dass es nicht erlaubt ist, das zu machen.

Weite Bereiche von Proben werden dort nicht bezahlt. Es gibt dort keine Möglichkeiten, zu existieren. Prekariat haben Sie die Situation genannt. Es sind wirklich geringste, jämmerliche Löhne, die dort bezahlt werden. Eine vornehme Aufgabe der Stadt wäre es, sich dieser Situation anzunehmen.

Die Gutachter haben dargestellt, dass sich diese Situation nicht noch verschlimmern darf. Wenn die Erhöhung auf 6 Millionen Euro nicht stattfindet, würde sich die Situation noch verschlimmern. Wir müssen gemeinsam feststellen, dass sich die Situation, die die Gutachter geschildert haben, in diesen Theatern immer noch die gleiche ist. Wir sollten es als weitere Aufgabe von Kulturpolitik sehen, die soziale Situation der dort Beschäftigten zu verbessern.