Bildungsbericht: Rabe instrumentalisiert Eltern und Kinder

Anlässlich des in Berlin vorgestellten Bildungsberichts feiert sich Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) als Trendsetter sowohl in Sachen Ausbau der Ganztagsschule als auch Umsetzung der Inklusion. Das so genannte Zwei-Säulen-Modell sei ein Erfolg, biete mehr Chancen und würde „von Kindern und Eltern bevorzugt“. „Nichts davon entspricht der Wirklichkeit“, erklärt dazu die schulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft, Sabine Boeddinghaus. „Beim Ganztag und auch bei der Inklusion musste Rabe durch Volksinitiativen erst zum Jagen getragen und so zu einer Verbesserung der Qualität gezwungen werden. Und noch immer gibt es riesige Probleme bei der Schulbegleitung und der ungleichen Verteilung der Schulen am gesamtgesellschaftlichen Auftrag einer konsequent inklusiven Bildung.“

Dass Eltern den schulischen Ganztag in Anspruch nehmen, sei kein Beleg für eine hohe Qualität, sondern eine schlichte Notwendigkeit bedingt durch Berufstätigkeit und Vereinbarung von Familie und Beruf, so Boeddinghaus. Das werde sich auch nächsten Dienstag zeigen, wenn im Schulausschuss die Große Anfrage 21/12676 der Fraktion DIE LINKE zur mangelhaften Umsetzung der Volksinitiative „Guter Ganztag“ behandelt wird.

„Der Gipfel ist Rabes Behauptung, die Eltern und ihre Kinder würden in Hamburg das Säulenmodell bevorzugen“, kritisiert die Abgeordnete. „Die Wahrheit ist, dass es nach der vierten Klasse gar keine Alternative gibt! Die Eltern müssen dieses Modell anwählen und machen dort über Gebühr die Erfahrung, dass es ihren Kindern nicht gut ergeht, weil es eben alles andere als ein Mehr an Chancengleichheit bringt. In Wirklichkeit bildet das ,Zwei-Säulen-Modell‘ die soziale Spaltung der Stadt ab und verstärkt unterschiedliche Ausgangslagen bei der Herkunft mehr, als dass es sie ausgleicht.“

Rabe verschließe die Augen konsequent vor der Wirklichkeit und verwalte nach Gutsherrenart aus der Hamburger Straße über die Schulen hinweg, so Boeddinghaus. „Zunehmende Proteste in der Stadt wiegeln seine Beamten regelmäßig ab statt endlich zu begreifen, dass nur eine regionale Schulentwicklungsplanung mit allen Beteiligten vor Ort für eine Befriedung sorgen könnte.“