Brandbrief: Die Kritik der Gymnasien ist berechtigt

  • 29. August 2018

Nach den Schulleitungen der Stadtteilschulen haben sich jetzt auch die der Gymnasien mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit gewandt. Im Positionspapier „VLHGS-Agenda 2018“ äußern sie scharfe Kritik an der Schulpolitik des Senats, die nahezu alle Bereiche der schulischen Bildung umfasst. Dabei betonen sie, dass ihre Erfahrungen vielfach auch auf andere Schulformen übertragbar seien.

„Mit Entschiedenheit begrüße ich das ganzheitliche Positionspapier der Hamburger Gymnasial- und Studienseminarleitungen“, sagt Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Die Schulpolitik des Senats geht seit Jahren an den Bedürfnissen der Hamburger Schüler_innen und der Schulen vorbei und vernachlässigt ihr Lehr- und Betreuungspersonal. Dass sich nach den Stadtteilschulen nun auch die Gymnasien entsprechend zu Wort melden, halte ich für ein klares Urteil.“

In ihrem Papier fordern die Gymnasien unter anderem eine Anpassung der Arbeitszeitberechnungen an die Erfordernisse zeitgemäßen Unterrichtens. „Die Kritik am stagnierenden Lehrerarbeitszeitmodell ist absolut berechtigt. Sie zeigt, dass die Erfüllung des Bildungsauftrags zurzeit nur auf dem Rücken des Lehrpersonals verfolgt wird“, meint Boeddinghaus.

Dass nach den Stadtteilschulen auch die Gymnasien die soziale Spaltung der Stadt beanstanden, die sich auf dem Bildungssektor in besonderer Weise ausdrückt, begrüßt Boeddinghaus ganz besonders: „Soziale Gerechtigkeit muss stets mit Bildungsgerechtigkeit verknüpft sein. Das Programm des Senats verstärkt die Ungerechtigkeit in unserer Stadt.“

Boeddinghaus hofft, dass die Stellungnahme der Gymnasien zu mehr Druck für eine bessere Schulpolitik für alle Schülerinnen und Schüler führt. „Dieses umfassende Positionspapier sollte nicht als Ausdruck von Interessenspolitik, welche unsere Schulen in Leuchttürme und Bojen einteilt, missverstanden werden“, warnt Boeddinghaus. „Die Schulen gleich welcher Schulform sollten gemeinsam für die Bedürfnisse und Bildungschancen ihrer Schüler_innen und die Arbeitsbedingungen ihrer vielen Beschäftigten kämpfen.“