Hamburger Schulcontainer: 100 Prozent Flächenfraß und ein Geschmack von „schnell und billig“

  • 16. Dezember 2019

Der Schulsenator hat heute im Verbund mit dem Finanzsenator und dem Geschäftsführer von Schulbau Hamburg die neuen modularen Klassenräume präsentiert. Dazu Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Hamburger Klassenhäuser sind ein Eingeständnis einer vollkommen verfehlten Schulentwicklungsplanung. Sie haben den Geschmack von ‚schnell und billig‘ und werden den Schulen die Schulhöfe nehmen. Sind das ernsthaft die Modelle, wie Hamburger Schulen den Anstieg der Schüler_innenzahlen bewältigen soll?“

Boeddinghaus fragt sich, ob die zum Schulentwicklungsplan geäußerten kritischen Kommentare zur Verringerung der Schulhöfe und Pausenflächen bei der Planung überhaupt Gehör gefunden haben. „Die Schulcontainer führen zu Flächenfraß auf den Schulhöfen. Wurden neue Standorte geprüft, wurden Ausgründungen geprüft, wurden Alternativen geprüft? Ich kann keine sehen.“ Boeddinghaus bemängelt zudem, dass die Planungen für die Klassenhäuser generell an den Schulen vorbeigelaufen sind. „Die Ausschreibung in einem Gesamtwert von 45 Millionen Euro fand in den letzten Sommerferien statt, ohne Mitsprache der Schulen, ohne fertigen Schulentwicklungsplan (SEPL).“

Nach Boeddinghaus‘ Ansicht könnten Erweiterungsbauten durchaus anders aussehen als die uniformen Backsteincontainer, die heute präsentiert wurden. Boeddinghaus: „Die Architektenkammer hatte zuletzt die uninspirierte Gestaltung der Schulen und Schulhöfe in Hamburg bemängelt. Jetzt wird Schumachers Backstein recycelt und als Container auf die Schulhöfe gestellt. Wenn Schulbau Hamburg so gern das Wort der ‚Reggio-Pädagogik‘ führt, nach der der Raum der dritte Pädagoge sei, so ist dieser Vorstoß vielleicht kostengünstig, aber ganz bestimmt nicht pädagogisch wertvoll.“