Jugendhilfe-Skandal: Neue Vorwürfe gegen Sozialbehörde

Die auswärtige Unterbringung von rund 840 Hamburger Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein macht die Fraktion DIE LINKE heute im Familienausschuss zum Thema. Der Träger „Kinder- und Jugendhilfe Rimmelsberg“ hat inzwischen einen Teil der Vorwürfe eingestanden, sieben MitarbeiterInnen entlassen und angekündigt, an einem neuen Konzept zu arbeiten. „Aber trotz Intervention und Auflagenerteilung durch das Landesjugendamt Schleswig-Holstein gibt es immer mehr Beschwerden zu den Heimen in Dörpling und Rimmelsberg, wo offensichtlich nach wie vor auch Hamburger Kinder und Jugendliche untergebracht sind“, erklärt dazu Sabine Boeddinghaus, familien- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen  Bürgerschaft. „Die Sozialbehörde wird viel zu erklären haben. So werden die rund 20 neuen Beschwerden, die uns schriftlich vorliegen, zu debattieren sein. Und unsere Anfrage 21/4118 ist so schlecht beantwortet worden, dass ich eine korrigierte Fassung erwarte.“

DIE LINKE fordert zudem die Rückholung aller Hamburger Kinder und Jugendlichen aus der Einrichtung Hof Seeland, falls das noch nicht geschehen ist. „Sollte Hamburg wieder einmal das letzte Bundesland sein, das Kinder und Jugendliche vor Schwarzer Pädagogik schützt?“, fragt Boeddinghaus mit Verweis auf die Große Anfrage der Fraktion zur auswärtigen Unterbringung (21/2013). Laut Senatsantwort sind die beiden zuletzt in die Schlagzeilen geratenen Träger bei weitem nicht die einzigen, die mit entwürdigenden Erziehungspraktiken arbeiten. So listet der Senat 115 Einrichtungen auf, die Kinder und Jugendliche mit Punkte-Systemen dressieren, 61 Träger schränken den Kontakt zu Familien generell ein, 79 Einrichtungen isolieren Kinder und Jugendliche in der Eingangsphase. „Das sind nur drei Beispiele“, so die Fachabgeordnete. „Viele Einrichtungen schränken den Briefverkehr ein, haben Handy-Verbote, Phasenmodelle oder Time-Out Räume. Zahlreiche Einrichtungen bekennen sich überhaupt nicht zu ihren pädagogischen Prinzipien und haben sich anonymisieren lassen. Weit überwiegend liegen diese Einrichtungen in Schleswig-Holstein.“

Bei rund 840 Kindern und Jugendlichen, die von Hamburg allein in Schleswig-Holstein auswärtig untergebracht sind, sei ein regelmäßiger Austausch der zuständigen Aufsichtsbehörden dringend notwendig, betont Boeddinghaus: „Bevor eine Einrichtung mit Hamburger Kindern und Jugendlichen belegt wird, muss der Senat sicherstellen, dass das pädagogische Konzept den Ansprüchen des SGB VIII entspricht, die Fachkräftequote eingehalten wird und die MitarbeiterInnen gut qualifiziert sind. Außerdem brauchen die jungen Menschen eine ihnen vertraute Beschwerdestelle, die ihnen jederzeit beratend und unterstützend zur Seite steht. Den Vorwürfen muss dann auch neutral nachgegangen werden. Die mit erniedrigenden Erziehungspraktiken arbeitenden Einrichtungen rücken die überwiegend gut arbeitenden Einrichtungen in ein sehr schlechtes Licht.“