Massive Probleme in Hamburgs Kinderschutzhäusern

Den Zustand in Hamburgs Kinderschutzhäusern und -gruppen hat die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft mit mehreren Anfragen an den Senat (21/15904 und 21/16154) abgefragt. Demnach wurden die Einrichtungen zwar in erfreulichem Maße ausgebaut. Doch haben Kinder und Betreuer_innen mit massiven Problemen zu kämpfen. „Unsere Anfragen zeigen, dass ihr Zustand in keiner Weise den Empfehlungen der Enquete-Kommission entspricht, die gerade eben von allen Parteien verabschiedet wurden“, meint Sabine Boeddinghaus, jugendpolitische Sprecherin der Linksfraktion. So sei die Verweildauer in den Kinderschutzhäusern viel zu lang. Einige Einrichtungen erreichten Mittelwerte von über 100 bis 191 Tagen – dabei sollten drei Monate eigentlich die Höchstdauer sein. Boeddinghaus: „Für viele Kinder sind diese Einrichtungen kein Übergangszuhause, sondern ein Dauerzustand. Das muss sich dringend ändern.“

Für eine Überlastung der Beschäftigten spricht die außergewöhnlich hohe Fluktuation in den Kinderschutzeinrichtungen. So gab es laut Senatsauskunft seit 2016 insgesamt 72 Wechsel – bei lediglich 114 Mitarbeiter_innen. Die offenkundige Überlastung führe zu massiven Problemen, zum Beispiel zum wiederholten Einsatz von Security-Kräften. Daran übt DIE LINKE massive Kritik: „Security hat in solchen Einrichtungen, die mit hoch belasteten Kindern arbeiten, nichts zu suchen“, meint Boeddinghaus. „Der Weg, in immer mehr Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe mit Security-Personal zu arbeiten, dürfte in Deutschland einmalig sein und sollte vom rot-grünen Senat nicht weiter beschritten werden.“

Behörde gibt zu, dass es in letzten rund fünf Monaten 21 Security-Einsätze gegeben hat. Dazu Mehmet Yildiz, kinderpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE: „Die Behörde sagt, Security-Mitarbeiter kämen nur zum Einsatz, wenn eine ‚pädagogische Zugänglichkeit‘ nicht mehr gegeben ist. Da stellt sich die Frage: Wo ist sie geblieben? Auf wen geht sie über? Will die Fachbehörde wirklich für ab 4-jährige hochbelastete, teilweise traumatisierte Kinder definieren, wo in solchen Einrichtungen pädagogisches Handeln beginnt und endet?“

DIE LINKE fordern den Senat auf, die Bedingungen der Kinderschutzhäuser zu verbessern. Dazu müssten vor allem die Personalschlüssel verbessert werden. Außerdem sollten bereits beim Start in die Arbeit in den Kinderschutzhäusern gezielte Fortbildungen stattfinden, um schlecht verlaufende Einarbeitungen zu vermeiden.