Schulessen muss den Schulkindern schmecken, nicht der AfD

  • 13. September 2018

Die Belieferung von weniger als einem Prozent der Hamburger Schulen mit nach muslimischen Speisegesetzen hergestelltem Fleisch erregt derzeit große mediale Aufmerksamkeit. „Da wird eine einmalige, gütlich geregelte Auseinandersetzung durch eine AfD-Anfrage zu einem generellen Konflikt aufgeblasen und der Schulsenator trägt mit seinem unreflektierten Kommentar gerade nicht dazu bei, die Schulen in ihrer Autonomie zu stärken, ganz im Gegenteil“, kritisiert Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Dabei wäre eine ernsthafte Debatte über die Schulspeisung, ganz ohne Untertöne, wirklich wichtig: In ernährungspolitisch zentralen Punkten wie Frische, Regionalität und Nachhaltigkeit haben Hamburgs Schulkantinen und -mensen nämlich richtig Nachholbedarf.“ Grundsätzlich liegt es in der Selbstverantwortung der Schulen, das Speiseangebot an den Bedürfnissen der Schulgemeinschaft zu orientieren. „Die Schulgemeinschaften entscheiden, was auf ihren Tisch kommt“, stellt Boeddinghaus klar. „Für die Rahmenbedingungen allerdings ist der Schulsenator zuständig – und über die muss diskutiert werden.“ Das hatten zuletzt zwei Anfragen der Fraktion DIE LINKE (Drs. 21/13265 und 21/13524) ergeben.

Boeddinghaus führt weiter aus: „Wichtiger als die aktuell aufgebauschte Frage ist doch, dass wir mit den städtischen Mitteln lokale Firmen unterstützen, die mit guten Löhnen und Arbeitsbedingungen nachhaltige und frische Produkte an den Schulen anbieten. Unsere Kinder sollen in einer appetitanregenden Umgebung gut essen, daran lässt sich auch pädagogisch anknüpfen.“

Auch vor dem Hintergrund, dass das Schulessen für viele Kinder in Hamburg die einzige vollwertige Mahlzeit am Tag ist, sei die aktuelle Phantomdebatte geradezu absurd, so Boeddinghaus. „Mein Eindruck ist, dass viele Schulen schon längst weiter sind als der Schulsenator und auch auf ihrem Speiseplan anerkennen, dass wir in einer vielfältigen Gesellschaft leben. Was den Kindern in der Freizeit schmeckt – von der Peking-Ente über Pannfisch bis zum Döner Kebab – sollte nicht aus der Schulkantine verbannt werden.“