Trotz großartiger Arbeit der Stadtteilschulen: Zwei-Säulen-Modell verfestigt soziale Spaltung

  • 12. August 2018

Angesichts der schwieriger Rahmenbedingungen leisten Hamburgs Stadtteilschulen herausragende pädagogische Arbeit. Dies geht aus einer Großen Anfrage (Drs. 21/13334) der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft hervor. So bringen an Stadtteilschulen zwar weniger als 5 Prozent der Fünftklässler_innen eine Gymnasialempfehlung mit, gut 30 Prozent aber verlassen sie mit dem Abitur.

„Die neuen Zahlen belegen die enorme pädagogische Leistung der Lehrkräfte an den Stadtteilschulen. Sie belegen aber auch die enorme soziale Spaltung, unter der das Hamburger Schulsystem leidet“, sagt Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. So werden, auch das ist Ergebnis der Anfrage, nach wie vor nur sehr wenige Kinder aus bildungsnahen Familien an Stadtteilschulen angemeldet. Vor allem in sozial belasteten Gebieten müssen die Stadtteilschulen eine enorme Mehrarbeit leisten, da sie deutlich höhere Inklusionsquoten – weit über 10 Prozent – aufweisen als die Gymnasien. Boeddinghaus: „Die ungleiche Verteilung schreibt die soziale Spaltung der Stadt in den Bildungswegen der Kinder und Jugendlichen fort.“

Hinzu kommt, dass die Stadtteilschulen allein im vergangenen Schuljahr 12,1 Prozent Schüler_innen in ihre 7. Klassen integrieren mussten, die nach der 6. Klasse „abgeschult“ wuden, also wegen schlechter Noten die Gymnasien verlassen mussten. „Angesichts der hohen Zahl erzwungener Abgänge benötigen die Gymnasien Ressourcen und Qualifizierungsprogramme um Schüler_innen zu fördern und sie nicht abzuschulen – denn das geht oft mit Demütigung und einem Gefühl des Versagens einher“, sagt Boeddinghaus.

„Wenn der Senat es wirklich ernst meint mit der Gleichwertigkeit von Stadtteilschule und Gymnasium, muss er entweder die pädagogischen Aufgaben gleichmäßig auf beide Schulformen verteilen, oder aber die Stadtteilschulen deutlich mehr unterstützen“, meint Boeddinghaus. Den sogenannten Schulfrieden zu verlängern, hält sie aber für einen falschen Weg: „Solange es die zwei Säulen Gymnasium und Stadtteilschule gibt, wird sich die soziale Durchmischung nicht ändern und die Ungerechtigkeit bleibt. Die beste Stärkung der Stadtteilschule ist ihre Weiterentwicklung gemeinsam mit dem Gymnasium zu einem inklusiven Schulwesen.“