Hamburg soll auch queeren Menschen Blutspenden ermöglichen

Die Bundesärztekammer hat ihre Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten überarbeitet. „Sie hält aber weiter an einem pauschalen diskriminierenden Ausschluss von Menschen von der Blutspende qua Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe fest, ohne das individuelle Risikoverhalten abzuwägen“, kritisiert Martin Dolzer, queerpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Wir fordern den Senat wie schon in unserem Antrag (Drs. 21/9780) auf, die Richtlinien der Bundesärztekammer und deren konkrete Umsetzung auf ihr Diskriminierungspotenzial zu überprüfen und darauf hin zu wirken, dass die Blutspende in Hamburg nicht pauschal durch Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe abgelehnt wird.“ Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen nach der Richtlinie nun Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang kein so genanntes sexuelles Risikoverhalten gezeigt haben – dieses wird pauschal in den Raum gestellt und nicht weiter definiert. Gleiches gilt für transgeschlechtliche Menschen und solche, die Sex gegen Geld anbieten. „Das entbehrt jeder Wissenschaftlichkeit im Hinblick auf HIV-Übertragungszeiträume, ist zudem nicht überprüfbar und ein Resultat homo- und transfeindlicher Stereotypen“, so Dolzer.

„Die neue Richtlinie verringert Diskriminierung nicht, sondern ist bloße Augenwischerei“, ergänzt Anna Rinne von der Landesarbeitsgemeinschaft DIE LINKE.queer. „Blutspenden retten Leben, daher sollte es im Interesse auch des Hamburger Senats sein, dass mehr Menschen Blut spenden und dass dazu wissenschaftliche Kriterien angelegt werden und nicht überkommene homo- und transfeindliche Vorurteile. Die einjährige Pause von sexuellem Verhalten mit deutlichem Übertragungsrisiko ist nicht überprüfbar, de facto bedeutet die Regelung weiterhin einen pauschalen Ausschluss von queeren Männern und Menschen mit Transhintergrund von der Blutspende.“