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IQB-Bildungstrend: Senat zieht viel zu vage Konsequenzen

Der Senat hat seine Bewertung des Bildungstrends des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) 2015 vorgestellt – für Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft, ein problematischer Vorgang: „Die Erhebung wurde von der Bürgerschaft beauftragt und hätte zuallererst im Fachausschuss vorgestellt und diskutiert werden müssen, anstatt sie einfach per Pressekonferenz in die Welt zu setzen. So wird eine angemessene fachliche Befassung torpediert, das ist einfach unprofessionell.“

Die Studie hatte 2015 ausgesuchte neunte Klassen im ganzen Bundesgebiet in den Lernständen Lese- und Hörverstehen in Deutsch wie Englisch getestet. Das Abschneiden der 109 teilnehmenden Schulen in Hamburg wurde nun besonders betrachtet. Insbesondere Schüler_innen, bei denen zwei Elternteile Migrationshintergrund haben, haben demnach in der deutschen Sprache Schwierigkeiten.

„Das ist leider keine neue Erkenntnis und bestätigt nur, dass bisher keine überzeugenden Konzepte zur Gegensteuerung existieren“, so Boeddinghaus. „Da ist es viel zu kurzsichtig, sich auf die neunten Klassen allein zu fokussieren, weiß man doch längst, dass im Grundschulalter jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund hat. Die Ankündigung des Schulsenators, die 33 Schulen, an denen es angeblich besonders hohe Lernstandsdefizite gibt, mit zusätzlichen Ressourcen und einem besseren Lernkonzept für den Ganztag ausstatten zu wollen, lässt eine Menge Fragen offen. Angefangen damit, dass Personal wie Mittel tatsächlich zusätzlich ins System kommen müssen und nicht von anderen Schulen abgezogen werden dürfen, bis hin dazu, dass solche Gießkannenlösungen für die Gesamtlage nicht adäquat sein können.“

Die Fraktion DIE LINKE wird die angekündigten Förderungsmaßnahmen kritisch untersuchen und erwartet eine baldige und umfassende fachliche Diskussion dazu im Schulausschuss.