Mut gegen Armut

VERANSTALTUNGSREIHE: WIE SIEHT ARMUT IN HAMBURG AUS – UND WAS KÖNNEN WIR DAGEGEN TUN?

 

Die soziale Schere wird größer. Immer mehr Hamburger_innen sind von Altersarmut bedroht, jedes fünfte Kind wächst in Armut auf – und die Zahl der Obdachlosen steigt. Vor dem Hintergrund des Sozialabbaus, steigender Energie- und Mietkosten und HVV-Preise geraten immer mehr Menschen in eine Armutsspirale – und der Senat tut viel zu wenig, um diese aufzuhalten. Eine Anti-Armutsstrategie, wie sie Wohlfahrtsverbände und DIE LINKE seit langem fordern, liegt bis heute nicht vor.

Im teuren Hamburg ist man schneller abgehängt als in vielen anderen Städten und Regionen und so hat Armut viele Gesichter: Wenn das Geld nicht reicht, ist eine Klassenreise oder nur ein Ausflug an die Elbe oft nicht drin. Arme Hamburger_innen leben in den am stärksten lärm- und schadstoffbelasteten Stadtteilen mit weniger Infrastruktur und einer deutlich schlechteren medizinischen Versorgung. Arm sein heißt auch, sich keine Zähne, keine Brille, keine neue Kleidung leisten zu können.

DIE LINKE engagiert sich ständig gegen Armut und Arbeitslosigkeit in Hamburg – mit Anhörungen, Anfragen und Anträgen, mit Studien zur Armutsentwicklung, mit der Zusammenarbeit mit Initiativen, die gegen Armut kämpfen. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “Mut gegen Armut” gehen wir nun in die Stadtteile und hören zu: Wie zeigt sich Armut in Billstedt, Bergedorf oder Eimsbüttel? Wo ist der politische Handlungsbedarf besonders groß?

Geplant sind 16 Veranstaltungen zwischen November 2017 und April 2018, an der alle unsere Abgeordneten mit den jeweiligen Politikbereichen beteiligt sind. Den Abschluss bilden ein Fachtag im Mai 2018 sowie ein Aktionsprogramm gegen Armut.

TERMINE

 

  • Wilhelmsburg: Armut macht krank

Ungleichheit macht krank – Gesundheitszentren gegen Ärztemangel und soziale Spaltung

Menschen in abgehängten, von Armut betroffenen Stadtteilen sterben im Durchschnitt bis zu zehn Jahre früher als ihre Nachbar_innen in Vierteln mit hohen Einkommen. Der soziale Status hat einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit, denn bei Menschen mit geringen Einkommen steigt das Krankheitsrisiko erheblich. In Hamburg verstärkt sich dieser Missstand seit Jahren durch eine ungerecht verteilte Gesundheitsversorgung, die innerhalb der Stadtteile ganz klar entlang der Einkommensgrenze verläuft: So kommt in Jenfeld auf eine/n Kinderärzt_in 4.937 Kinder, in Othmarschen sind es 995 Kinder. So gibt es in Eimsbüttel 36 Frauenärzt_innen, in Steilshoop hingegen keine. Die soziale Spaltung in Hamburg ist der Grund für die gesundheitliche Ungleichheit, in der ambulanten Gesundheitsversorgung fehlen jedoch innovative Lösungskonzepte – im Gegenteil: die Zwei-Klassen-Medizin verschärft die Probleme. 

Es geht aber auch anders!

Im Hamburger Stadtteil Veddel arbeitet seit einigen Monaten eine Poliklinik mit dem Ansatz, mittelfristig ein solidarisches Stadtteilgesundheitszentrum zu entwickeln, in dem Gesundheit interdisziplinär, individuell und kollektiv behandelt und verhandelt wird. Wesentliche Ziele dabei sind der Aufbau einer integrierten medizinischen Versorgungsstruktur mit kostenloser Rechts- und Sozialberatung, die Entwicklung von Präventionsprojekten sowie die Förderung der Partizipation im Stadtteil.

Zusammen mit Bernd Kalvelage (ehemals Arzt in Wilhlemsburg, Autor), Philipp Dickel und Franziska Franz (Poliklinik-Initiative Veddel) sowie Petra Fuhrmann (AOK) diskutiert Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, wie Gesundheitszentren in benachteiligten Stadtteilen realisiert werden können und welche weiteren Lösungsansätze zur Verringerung der sozial bedingten gesundheitlichen Ungleichheit notwendig sind.

Der Eintritt ist frei. 

Wann? 24. Januar 2018, 18.30 Uhr

Wo? Bürgerhaus Wilhelmsburg

Armut verhindern: Sozialversicherung und Mindestlohn in Haft

Wir diskutieren mit Anwält_innen, ehemaligen Inhaftierten und Expert_innen über die Folgen der fehlenden Sozialversicherung und der niedrigen Bezahlung von Arbeit in Haft. Seit 37 Jahren warten die Betroffenen auf die Umsetzung einer 1970 beschlossenenen Gesetzesvorgabe über die Einbeziehung in die Sozial- und Rentenversicherung. Es ist Zeit die Vorgaben umzusetzen – denn die Bedingungen in Haft sind laut Gesetz denen in Freiheit soweit es geht anzupassen.

Mit Rechtsanwalt Ernst MedeckeMarco Bras dos Santos (Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation) und Martin Dolzer, justizpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Wann? Mittwoch, 7. Februar; 18.30 Uhr

Wo? Kaisersaal (Hamburger Rathaus)

  • Bergedorf: Altersarmut

Hamburg ist die Hauptstadt der Altersarmut: Fast 17 Prozent der Rentner_innen gelten als arm, 7 Prozent der Hamburger_innen im Rentenalter beziehen die finanzielle Grundsicherung. In keinem anderen Bundesland sind diese Zahlen so hoch. Dazu kommt, dassdie Zahl der Senior_innen mit Minijob seit 2003 um 67 Prozent angestiegen ist. Die Folge: Die menschenwürdige Lebensgrundlage der Betroffenen ist bedroht – ebenso wie die Zukunft derer, die heute noch im Berufsleben stehen.

Was können wir verändern, um der Altersarmut entgegenzuwirken? Darüber diskutiert Deniz Celik, senior_innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, in Bergedorf auf dem Podium des Worldcafés. Es geht uns darum, konkrete Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen – denn eine Zukunft mit armutssicheren Renten und einer besseren Betreuung für Senior_innen in Hamburg ist möglich.

Der Eintritt frei.

Wann? 15. Februar 2018 (die Uhrzeit geben wir noch bekannt)

Wo? Bürgerhaus Allermöhe, Ebner-Eschenbachweg 1 

Steilshoop: Armut von Kindern und Jugendlichen

Armut von Kindern, Jugendlichen und Jungerwachsenen und deren Familien stagniert in Hamburg seit Jahren auf hohem Niveau. Laut dem Landesmedian liegt die Armutsgefährdungsquote für unter 18-Jährige derzeit bei 25 Prozent, für die 18-25-Jährigen sogar bei 32 Prozent. Dabei verteieln sich die Lebens- und Bildungschancen der jungen Menschen über das Hamburger Stadtgebiet sehr ungleich. So ist die Hälfte aller Kinder in Steilshoop von Armut betroffen, in Nienstedten hingegen keines. Wir wollen gemeinsam mit Akteur_innen vor Ort und Expert_innen die Ursachen und Handlungsoptionen für eine aktive Armutsbekämpfung diskutieren.

Wann? 20. Februar, 18.30 – 21.30 Uhr

Wo? Martin Luther King Kirche, Gründgenstraße 28

  • Eimsbüttel: Wohnen

Mit seinen rund 32.500 Einwohner_innen gehört Eidelstedt zu den größeren Stadtteilen am nordwestlichen Rand Hamburgs. Hier finden sich mehrere Wohnquartiere, die durch fünf große Straßen und zwei Autobahnen belastet sind. Obwohl das Einkommen hier um etwa ein Viertel unter dem hamburgischen Durchschnitt liegt, steigen auch in Eidelstedt die Mieten. Armutserscheinungen zeigen sich laut amtlichen Bericht in einigen Quartieren besonders deutlich. WAS BEWEGT UND BELASTET DIE EIDELSTEDTER_INNEN? Auf der Veranstaltung wollen wir uns vor allem mit den Wohnverhältnissen in Eidelstedt beschäftigen. Aber es geht nicht nur um die Mietenentwicklung und die Neubauten, um das Fördergebiet Eidelstedt-Mitte und die Unterkünfte für Geflüchtete – wir wollen das Leben in Eidelstedt insgesamt beleuchten und diskutieren: Was bewegt und belastet die Eidelstedter_innen? Was zeichnet den Stadtteil aus, welche Probleme gibt es? Und was muss sich verbessern? Neben den stadtteilverbundenen Expert_innen Holger Börgartz, Ina Möller und Willi Lehmpfuhl sollen vor allem die Eidelstedter_innen selbst zu Wort kommen.

Wann? 21. Februar 2018, 19.30 Uhr

Wo? Eidelstädt Bürgerhaus, Alte Elbgaustraße 12

  • Dulsberg: Alleinerziehend als Armutsrisiko

In Hamburg sind laut dem Landesmedian 41,9 Prozent der Bürger_innen Alleinerziehende, 37 Prozent der Familien mit drei und mehr Kindern sind von Armut akut bedroht. Ursachen dafür sind u.a. ein sehr geringes Haushaltseinkommen, Erwerbslosigkeit, Trennung und Scheidung, Krankheit oder Überschuldung. Bei der Verteilung der Alleinerziehenden über die Stadt finden wir die übliche sozialräumliche Polarisierung. Während im Bezirk Mitte 30,2% aller Haushalte mit Kindern Alleinerziehenden-Haushalte sind, sind es in den Bezirken Eimsbüttel und Wandsbek jeweils nur knapp 25 Prozent. Den höchsten Anteil an Alleinerziehenden-Haushalten weist der Stadtteil Dulsberg mit 43,7 Prozent auf.
Bernhard Müller, der Mitautor der LINKEN-Studie „Soziale Ungleichheit im Wohlstand“ wird eine Einführung geben. Danach wollen wir über konkrete Maßnahmen diskutieren, die das Land Hamburg ergreifen könnte, um die Situation von Alleinerziehenden und ihren Kindern merkbar und auf Dauer zu stabilisieren.

Wann? 1. März 2018, 18:30 – 21.30 Uhr

Wo? Barmbek Basch, Wohlsdorfer Str. 30

  • Billstedt: Kaputt gespart – soziale Infrastruktur

Soziale Einrichtungen sind wichtig für ein soziales Miteinander, soziale Teilhabe und bürgerliches Engagement. So gibt es in Hamburg 244 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, zum Beispiel Bauspielplätze oder Jugendtreffs. Davon haben jedoch 93 Einrichtungen weniger als eine Vollzeitstelle, 124 verfügen über weniger als zwei Stellen. So wichtig soziale Einrichtungen auch sind, so wenig wird doch ihr Wachstum gefördert. So wurde in Billstedt seit den Neunzigerjahren kein neues Kinder- und Familienzentrum mehr eröffnet. Darüber diskutiert Cansu Özdemir, sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion Hamburg, mit Vertreter_innen sozialer Einrichtungen im Stadtteil Billstedt.

Wann? 22. März 2018, 18.30 Uhr – 22.30 Uhr

Wo? Kulturpalast Billstedt, Öjendorfer Weg 30a

  • Wie geht eigentlich Integration?

Der Hamburger Senat verfolgt mit seinem Integrationskonzept das Ziel: „Jede und Jeder gehört zu unserer Gesellschaft und soll uneingeschränkt an allen Bereichen des Lebens in Hamburg teilhaben können.“ Zur Umsetzung dieses Ziels unterteilt er das Konzept in sieben Themenschwerpunkte, zu denen selbstverständlich auch Beruf sowie Wohnen und Zusammenleben im Quartier gehören. Der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen für Integration und Migration hat im Auftrag der BASFI zum Entwurf der Weiterentwicklung des Integrationskonzeptes 2017 eine gutachterliche Stellungnahme abgegeben. Die Mitautorin dieser Stellungnahmen, Frau Charlotte Wohlfarth, wird uns einen Überblick darüber verschaffen, welche Vorstellungen der Hamburger Senat von der Umsetzung der Integration hat und worin die Stärken, vielleicht auch Schwächen liegen.

Da Konzepte allein noch keine gelungene Integration ausmachen, wollen wir auch einen Blick auf die Praxis werfen, und zwar aus der Sicht derer, die sich freiwillig für Geflüchtete engagieren. Wie sieht es in der Praxis mit der Integration im Quartier aus? Inwieweit tragen die Betreiber von Unterkünften zur Integration bei? Wie erleben Ehrenamtliche, die sich um den beruflichen Weg von Geflüchteten kümmern, die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen? Gibt es wechselseitige Akzeptanz und Wertschätzung? Zu diesen und vielen weiteren praktischen Fragen werden uns Sonja Clasing und Manfred Ossenbeck berichten. Und natürlich wollen wir auch gemeinsam darüber diskutieren, was gut läuft, wo es Verbesserungsbedarf gibt und welche weiteren Handlungsansätze es geben kann, um dem eingangs formulierten Ziel näher zu kommen.

Themen und Gäste im Überblick:

1. Einführung: Das Hamburger Integrationskonzept 2017 – Wo steht Hamburg?
Charlotte Wohlfarth, Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, stv. Leiterin des Arbeitsbereichs Jahresgutachten

2. Praktisch gedacht: Integration in der Unterkunft und im Quartier
Sonja Clasing, Flüchtlingshilfe Harvestehude e. V., Schnittstellenkoordinatorin

3. Praktisch gedacht: Integration in Arbeit
Manfred Ossenbeck, SprecherInnenrat des Bündnisses Hamburger Flüchtlingsinitiativen, ehrenamtlicher beruflicher Berater für Geflüchtete

4. Gemeinsame Diskussion „Wie kann Integration gelingen?“

Wann? Donnerstag, den 12. April, um 18:30 Uhr

Wo? Kirchenraum von St. Martinus-Eppendorf, Martinistr. 33
(ÖPNV: Buslinie 20/25, Haltestelle Julius-Reincke-Stieg)

  • Arm trotz Arbeit

Die seinerzeit von einer rot-grünen Bundesregierung eingeleitete größte „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes innerhalb Europas“ hat eine neue Prekarisierung in der Arbeitswelt zur Folge. Die Menschen sind „Working Poor“, sie sind also „arm trotz Arbeit“. Wie hat sich der Arbeitsmarkt in Hamburg in den letzten Jahren genau entwickelt? Wer ist besonders betroffen? Was kann in Hamburg gegen sogenannte atypische Beschäftigungsverhältnisse überhaupt getan werden? Und was müsste geschehen, um einen sozialen Wandel am Arbeitsmarkt herbeizuführen?
Es diskutieren:

Dr. Joachim Bischoff , Sozialökonom und Lektor im VSA Verlag, Autor der Studie „Soziale Ungleichheit im Wohlstand“
Sieglinde Frieß, Fachbereichsleiterin Bund/Länder und Gemeinden bei der Gewerkschaft ver.di

Wann? 26. April 2018, 18:30 – 21 Uhr

Wo? Rieckhof, Harburg

  • Fachtag: “Mut gegen Armut”: Perspektiven für eine sozialere Stadt

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “Mut gegen Armut” haben die Abgeordneten der Linksfraktion Hamburg mit Initiativen, Betroffenen und Engagierten in 16 Stadtteilen diskutiert. Den Abschluss der Reihe bildet ein Fachtag unter dem Motto „Mut gegen Armut: Politische Perspektiven für ein sozialeres Hamburg“. Gemeinsam mit Expert_innen und Teilnehmenden möchte DIE LINKE vor dem Hintergrund der Veranstaltungsreihe politische Alternativen entwickeln: Wo ist der politische Handlungsbedarf besonders groß? Was muss politisch geschehen? Was soll in einem Armutsbekämpfungsprogramm für Hamburg aufgenommen werden? Hierzu laden die Fraktionsvorsitzenden Sabine Boeddinghaus und Cansu Özdemir zu Referaten und Diskussion ein, unter anderem mit:
 Alexander Fischer, Staatssekretär für Arbeit und Soziales DIE LINKE in Berlin: “Armutsbekämpfung in Großstädten – Was kann Hamburg von Berlin lernen?”
• Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup : “Sozialpolitik statt Schuldenbremse”

Wann? 23.Mai, 14 – 18.30 Uhr

Wo? Rathaus Hamburg

PRESSEMITTEILUNGEN ZU ARMUT UND SOZIALER SPALTUNG