Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen erklärt Cansu Özdemir, frauenpolitische Sprecherin und Ko-Vorsitzende der Fraktion die LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Eine von drei Frauen in Deutschland erlebt im Laufe ihres Lebens sexualisierte und/oder körperliche Gewalt, jede vierte Gewalttat findet in der Partnerschaft statt. Das Grundrecht von Frauen auf ein Leben in Würde und Sicherheit wird täglich vielfach verletzt.“

Dies als ‘Familientragödie’ zu bezeichnen, wie es die Presse zum Beispiel im Falle einer von ihrem Ehemann ermordeten Frau aus Wedel kürzlich tat, trage zur Verharmlosung des Problems bei. „Wir haben es nicht mit Tragödien einzelner Familien zu tun, sondern mit gesellschaftlichen Strukturen, die Männern offensichtlich die Sicherheit geben, Macht über Frauen und ihre Körper auszuüben. In Hameln wurde eine Frau mit einem Strick am Hals an einem Auto mitgeschleift, in Hamburg eine Frau in einem Café mit ätzender Flüssigkeit attackiert. Diese Gewalt findet sich in der Mitte unserer Gesellschaft ebenso wie an vielen Orten dieser Welt.“

Der Kampf gegen Gewalt an Frauen sei deshalb auch ein internationaler Kampf. „Meine Kollegin Figen Yüksekdag, Co-Vorsitzende und Abgeordnete der HDP im türkischen Parlament, sitzt mit vielen anderen Oppositionellen auch deshalb im Gefängnis, weil das rückwärtsgerichtete, autoritäre Regime es nicht erträgt, dass sich die HDP aktiv für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit einsetzt. In ihrem Brief zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen schreibt Yüksekdag: ‘Das Ziel von Gewalt ist es, Angst zu verbreiten und dann Kapitulation zu erzwingen. Die kraftvollste Art, dieser Gewalt zu begegnen, kann von furchtlosen Frauen ausgehen, die sich weigern zu kapitulieren.’“

Ein guter Anfang sei das bundesweite Projekt StoP “Stadtteile ohne Partnergewalt”, das Frauen aktiviert, in ihrer Nachbarschaft als Multiplikatorinnen zum Thema häusliche Gewalt zu wirken. „Dieses Projekt sollte in allen Stadtteilen Hamburgs etabliert werden“, meint Özdemir.