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Schulabsentismus: Präventive Maßnahmen statt Repression!

In Hamburg kommt es jährlich zu über zweihundert Verletzungen der Schulpflicht über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen. Das hat eine Schriftliche Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft ergeben (Drs. 21/14266). Nach den Planungen des Senats ist eine Reduzierung dieser Zahlen nicht beabsichtigt. „An Hamburger Schulen besteht ein Problem mit Schulabsentismus, dem sich weder Senat noch Behörde angemessen stellen“, kritisiert Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion.

Boeddinghaus bemängelt einen fehlenden Willen, ernsthaft an dem Problem zu arbeiten: „Die Erkenntnis, dass beim Fernbleiben von der Schule auch soziale Gründe eine Rolle spielen, kommt dem Senat nicht. An präventiven Maßnahmen ist er nicht interessiert. Die einzige Antwort, die der Senat kennt, ist Repression,“ ärgert sich Boeddinghaus. Für Stadtteilschulen werden gar keine Zahlen ermittelt. Boeddinghaus: „Das ist frech gegenüber der Arbeit der Stadtteilschulen und fahrlässig gegenüber den Belastungen der Schüler_innen.“ Besonders in einkommensschwachen Stadtteilen ist die Zahl der verhängten Bußgelder überproportional hoch. Während in reicheren Stadtteilen wie Eppendorf, Blankenese oder Marmstorf die Zahl der verhängten Bußgelder zwischen 2015 und 2017 bei maximal elf liegt, sind es nach Angaben des Senats in Steilshoop 63, Harburg 159 und Wilhelmsburg gar 243 Fälle. „Dort, wo wenig Geld ist, langt die Hansestadt nochmals zu. Die Eltern werden doppelt gestraft: am Geldbeutel und in der Beziehung zu den Kindern“, empört sich Boeddinghaus.

Die Bürgerschaftsfraktion der LINKEN veranstaltet vom 28.- 29.09. im Hamburger Rathaus einen Fachtag zum Thema. Boeddinghaus kündigt an: „Dort werden wir ausführlich Gelegenheit haben, Gründe für Schulabsentismus, Folgen und Alternativen zu dem derzeitigen repressiven Schulmodell zu diskutieren.“