Schulabsentismus: Steigende Zahlen, hohe Dunkelziffer

Schulabsentismus wird in Hamburg zu einem immer größeren Problem. Das legen die Antworten des Senats auf zwei Anfragen der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft nahe (Drs. 21/14266, 21/18013). Demnach wuchs die Zahl der gemeldeten Fälle zwischen 2017 und 2018 von 214 auf 276 ­– ein Anstieg um 22,5 Prozent. Nicht enthalten sind dabei die Stadtteilschulen. Ihre Zahlen werden von der Behörde nicht erfasst. Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kommentiert: „Unsere Anfragen zeigen nicht nur, dass sich Schulabsentismus weiter ausbreitet. Sie zeigen auch ein desaströses Bild bei der Erfassung dieses Phänomens und bei der Unterstützung der Schulen.“

Aus den Zahlen der Linksfraktion geht ferner hervor, dass im vergangenen Jahr wegen anhaltender Schulpflichtverletzung 840 Bußgelder verhängt wurden. Boeddinghaus schätzt die Dunkelziffer aber weitaus größer ein, da erst nach mehreren Stufen Meldungen an die Behörde ergehen und sie dadurch überhaupt erst statistisch erfasst werden. „Die Behörde hat keinen Plan vom wirklichen Ausmaß des Absentismus. Sie hat ihre Haushaltsplanungen, die von 220 Fällen des Schulabsentismus ausgehen, nicht den steigenden Zahlen der gemeldeten Fälle angepasst. Den Schulen fehlen dadurch die dringend notwendigen Ressourcen. Die Behörde hat kein Konzept, das auf pädagogische Intervention und Unterstützung setzt“, sagt Boeddinghaus.

Insgesamt wurden 2018 an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen 1428 Bußgelder wegen anhaltender Schulpflichtverletzung, verlängerter Ferien, etc. verschickt. „Es ist überdeutlich, dass die notwendigen Ressourcen an den Schulen fehlen, um dem Schulabsentismus begegnen zu können. Wenn die Behörde sich nicht aufmacht, die Bedingungen an den Schulen zu verbessern, werden die Kinder weiterhin mit den Füßen abstimmen“, sagt Boeddinghaus. DIE LINKE werde demnächst einen Antrag einreichen, „zur Stärkung der Stadtteilschulen bei der Bewältigung der sozialen Aufgaben und für die ganzheitliche Datenerhebung und konzeptuelle Bearbeitung des Schulabsentismus.“