Sportlerratschlag 2016:  kennenlernen, austauschen, vernetzen

Mit rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus etwa 25 Sportvereinen gut besucht war der erste Sportlerratschlag zu dem die Bürgerschaftsfraktion der LINKEN am 23. November ins Hamburger Rathaus eingeladen hatte.

In einem kurzen Input-Referat lieferte zunächst Dr. Roger Repplinger einen kurzen Rückblick auf die gescheiterte Olympiabewerbung Hamburgs. Er erinnerte daran, dass das Projekt „Olympia“ der Hansestadt Hamburg Milliardenkosten verursacht hätte – und dass der ohnehin klamme Etat für den Breitensport und den sozialen Bereich dadurch voraussichtlich noch weiter geschrumpft wäre. Was eine solche Belastung für eine Stadt finanziell bedeuten könne, zeige aktuell das Beispiel der Olympiastadt Rio: Nach der Ausrichtung der Spiele steht die brasilianische Stadt kurz vor der Pleite.

dsc_2523
dsc_2485
dsc_2610-1
dsc_2560
dsc_2481

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass in Hamburgs Vereinen die Enttäuschung über die Ablehnung der Olympiabewerbung noch immer groß ist. Viele hatten auf das Versprechen des Senats gehofft, durch Olympia würde sich die Sportstättensituation in Hamburg bessern. Repplinger entgegnete, dass dies nichts weiter als leere Versprechen seitens des regierenden Senats waren. Das zeige auch der nun von Sportsenator Andy Grote präsentierte Masterplan „Active City“. Der Breitensport wird vom Senat vernachlässigt, es geht ihm mehr um die Spitzensportförderung und Errichtung prestigeträchtiger Nachwuchsleistungszentren oder Multifunktionshallen für Hamburg-Rothenbaum.

So würden die olympischen Disziplinen mit Medaillenaussicht kräftig gefördert, Nischensportarten aber hingegen nahezu leer ausgehen. Die groß angekündigte Sanierungsoffensive sei nichts weiter als Augenwischerei. Die angespannte Lage vieler Sportstätten werde sich in absehbarer Zeit nicht entspannen – zumindest nicht durch den „Active City Plan“. Anschließend präsentierte Christiane Wagner von der Hamburger Sportjugend einige Fördermöglichkeiten für die Vereine. So werden beispielsweise Sommerfeste des Vereins finanziell unterstützt, Kinder aus einkommensschwachen Familien können Zuschüsse erhalten etwa für Sportfahrten und Trainingslager oder für den Vereinsbeitrag („Kids in die Clubs“). Wagner unterstrich, dass die HSJ jederzeit als Ansprechpartner für Förderung von Kindern für die Vereine zur Verfügung steht.

Zu wenig Plätze und freie Schwimmflächen

Abschließend kam es zum längsten und vermutlich wichtigsten Teil der Veranstaltung – der Diskussions- und Fragerunde. Dabei kamen fast alle Beteiligten mindestens einmal zu Wort und schilderten positive Entwicklungen ihrer jeweiligen Vereine, berichteten aber auch von Problemen. Zum Beispiel, dass die Schwimmvereine in Hamburg keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen können, weil die Schwimmzeiten schon alle vergeben sind, es generell zu wenige Schwimmhallen gibt und die vorhanden meist sanierungsbedürftig seien. Ein weiteres Kuriosum ist die Tatsache, dass in Hamburg keine offiziellen Schwimmwettbewerbe stattfinden können, da kein Becken die nötigen Wettkampfmaße erfüllt.
Das größte Problem der Fußballvereine: Sie müssen sich oft einen oder mehrere Plätze teilen. Hierbei kommt es aber immer wieder zu Konflikten, weil manche Vereine zwar Sportzeiten gebucht haben, dann aber nicht erscheinen. So geht wertvolle Trainingszeit für andere Vereine verloren, wie etwa bei dem Verein VFL Hammonia. Auch die Nutzung der Schulsporthallen führt für manche Vereine zu Problemen, etwa weil die sanitären Anlagen nicht den allgemeinen Standard erfüllen.
Auch über den Sanierungsbedarf der Plätze wurde beim Sportlerratschlag geredet – dieser ist nach wie vor sehr hoch. Diesen Umstand kann man nur lindern, wenn der entsprechende Etat endlich angehoben wird, wie DIE LINKE dies auch in den aktuellen Haushaltsverhandlungen fordert.

Sport ist nicht nur Wettkampf – Austausch fördern!

Ein weiteres Problem: Sie haben kein eigenes Vereinsheim, wo sie zusammen Tee, Kaffee oder Bier trinken könnten. Schließlich geht es beim Sport nicht nur um Wettkampf, sondern auch um den Zusammenhalt und Geselligkeit. Ein Ausweg wäre, dass Vereine sich neben den Plätzen auch ihre Vereinsheime teilen.

Um dies zu erreichen, ist Austausch und Kommunikation nötig. Dies ist allerdings nicht immer einfach, da vor allem im Fußballbereich viele Vereine untereinander eher konkurrieren als zusammen zu arbeiten. Auch um diese Mentalität aufzubrechen, gibt es nun den Sportlerratschlag, der in Zukunft regelmäßig wiederholt werden soll. Außerdem soll eine Mail-Verteilerliste erstellt werden, damit Informationen, Anträge und Anfragen den Vereinen mitgeteilt werden können und diese wiederum die Möglichkeit haben, die Linksfraktion jederzeit anschreiben zu können. Denn wie beim Sport gilt auch in der Politik: Teamplay setzt sich durch. Gemeinsam sind wir stärker!

von Yann Chaudesaigues

Verwandte Artikel:

“Active City: Der Senat ignoriert den Breitensport weiter”

“Olympia statt Schulsport”

“Sport ist kein Lärm!