„ElPhi ist Imponier-Projekt auf Kosten von Demokratie und Kultur“

Mit sieben Jahren Verspätung knallen heute in der Elbphilharmonie die Korken. Aus Sicht der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft täte die Hamburger Politik allerdings gut daran, auf jede Selbstbeweihräucherung zu verzichten. „Es lässt sich leider nicht leugnen: Die Elbphilharmonie hat der demokratischen Kultur in Hamburg kräftig geschadet“, kommentiert Norbert Hackbusch, kultur- und haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion. „Aber die teure Eröffnungskampagne scheint ihren Zweck zu erfüllen und alle Bedenken und Skandale der letzten Jahre zu überstrahlen. Da wurden nochmal zehn Millionen Euro locker gemacht, um die Steuerzahler_innen vergessen zu lassen, dass das Ganze über 700 Millionen mehr gekostet hat als versprochen. Die Luxus-Eröffnung ist das logische i-Tüpfelchen auf der irren Verschwendungs-Geschichte der Elbphilharmonie.“

Der Senat solle durch sein Olympia-Debakel gewarnt sein, so der Kulturexperte: „Die Begeisterungs-PR spiegelt nicht die Stimmung in der Stadt wieder. Viele Menschen sind weiterhin wütend über die Kostenexplosion und die organisierte Verantwortungslosigkeit hinter dem Projekt.“ Nicht zuletzt DIE LINKE hatte von Anfang an das Public-Private-Partnership-Projekt kritisiert, bei dem der Senat die Bauherrenrolle und damit die Risiken für Hotel, Parkhaus und Gastronomie übernommen hat.

„Für das Stadt-Marketing-Portfolio mag das Ganze als Metropolen-SElphi mit Hochkulturfilter funktionieren“, kritisiert Hackbusch. „Was Hamburg aber braucht und auch international wirklich gut zu Gesicht stünde, ist eine große Kulturinstitution, die künstlerisch die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft reflektiert. Der weitgehende Verzicht auf Trans-, Inter- und Off-Kultur bei der Programmgestaltung zeigt, dass die Elbphilharmonie nie als Kultur-Investition für die Menschen in der Stadt gedacht war, sondern als marktkonformes Imponier-Projekt für Tourist_innen und vor allem für die Marke Hamburg im ,Wettbewerb der Metropolen‘. Und während hier die Millionen geflossen sind, wurden Stadtteilkultur und Bürgerhäuser, die freie Szene aller Sparten und die unterfinanzierten Museen ausgezehrt.“

Auch künftig wird DIE LINKE die Kosten- und Einnahmeentwicklung sowie das Vertragsgebaren rund um das Konzerthaus kritisch beobachten. Interessant wird dabei sicherlich der Versuch des Senats im Jahr 2030, die kommerziellen Teile der Elbphilharmonie zu verkaufen, die dann noch über sieben weitere Jahre mit Pachtverträgen belegt sind.

DIE LINKE empfiehlt ausdrücklich die Lektüre des Berichts des Untersuchungsausschusses Elbphilharmonie (Drs. 20/11500) und darin insbesondere den Minderheitsbericht der Fraktion.