Die Revolution und das Hamburger Rathaus

Im Hamburger Rathaus haben die demokratischen und republikanischen Umbrüche bisher keinen Niederschlag gefunden. Die Novemberrevolution 1918, die überhaupt erst eine von Allen gewählte Bürgerschaft hervorbrachte, wird in keinem der prächtigen Säle und auf keinem Gemälde zum Thema. Die Gestaltung der Säle wird stattdessen dominiert von der Kontinuität einer Kaufmannsherrschaft von der Stadtgründung bis zum Ausbau des Freihafens. Die Umbrüche, die eine autokratische Stadtrepublik erst in eine demokratische Republik verwandelt haben, kommen dagegen nicht ins Bild. Der zweitgrößte Saal ist bis heute ausgerechnet dem deutschen Kaiser Wilhelm II. gewidmet. Die Kämpfe der Arbeiter_innenbewegung – wie 1848/49, die Gründung von Gewerkschaften und Genossenschaften oder der Hafenarbeiterstreik 1896/97 – kommen im Hamburger Rathaus nicht vor, ausgenommen das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes.

Ein Jahrhundert nach der Novemberrevolution ist es an der Zeit, einen neuen Geist ins Hamburger Rathaus wehen und die Revolution und die gesellschaftlichen Umbrüche in diesem Hause zur Geltung kommen zu lassen, die die jetzige Hamburgische Bürgerschaft erst ermöglichten.

Mit Frauke Steinhäuser (Historikerin), Dr. Knud Andresen (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg) und Dr. Jürgen Bönig (ehemals Museum der Arbeit); Moderation: Michael Joho (Historiker), Begrüßung: Norbert Hackbusch (MdHB)