19.423 Unterschriften für Meinungsvielfalt beim Olympia-Referendum

Die Initiative NOlympia hat am 21. Februar 2026 insgesamt 19.423 Unterschriften beim Landeswahlleiter eingereicht – fast doppelt so viele wie die gesetzlich erforderlichen 10.000. Damit ist sichergestellt: Den Wahlunterlagen für das Bürgerschaftsreferendum über die Olympischen Spiele am 31. Mai 2026 wird eine ausführliche olympiakritische Stellungnahme beigefügt.

Innerhalb von nur drei Wochen – zum Teil bei Schnee und klirrender Kälte – wurde dieser Sammelerfolg möglich. Ziel war es, ein ausgewogenes Meinungsbild in den Abstimmungsunterlagen zu gewährleisten. Bislang waren für das Informationsheft jeweils acht Seiten für den Senat und acht Seiten für die Bürgerschaft vorgesehen. Da sich in der Bürgerschaft allein die Linksfraktion klar gegen eine Olympiabewerbung positioniert, wären auf 15 der 16 Seiten Befürworter*innen zu Wort gekommen.

Dank der erfolgreichen Unterschriftensammlung werden nun acht zusätzliche Seiten mit Gegenargumenten in alle Hamburger Haushalte verschickt.

Kritik an Milliardenrisiken und sozialen Folgen

In den Gesprächen auf der Straße wurde deutlich, wie groß die Skepsis in der Stadt ist. Viele Hamburger*innen lehnen es ab, Milliarden in ein sportliches Megaprojekt zu investieren, während Schulen und Turnhallen marode sind, soziale Einrichtungen ums Überleben kämpfen und Hochschulen unterfinanziert sind.

Die Linksfraktion teilt diese Kritik. Heike Sudmann, Co-Vorsitzende der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, gratulierte der Initiative zu dem „echten Kraftakt“ und betonte, dass viele Hamburger*innen die Einschätzung teilen: Olympia ist zu teuer und droht Hamburg unsozialer und weniger lebenswert zu machen.

Auch aus sportpolitischer Sicht bestehen erhebliche Zweifel. Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion, verweist auf das verbreitete Misstrauen gegenüber dem IOC, die Sorge um den Breitensport sowie negative Auswirkungen auf das Klima.

Referendum mit besonderer demokratischer Bedeutung

Das Bürgerschaftsreferendum geht auf eine Verfassungsänderung im Zuge der Olympiabewerbung 2015 zurück. Damals entschieden sich die Hamburger*innen gegen die Bewerbung.  Anders als etwa in München, wo eine ausgewogene Information in den Wahlunterlagen nicht vorgesehen war, garantiert das Hamburger Recht ausdrücklich die Möglichkeit, unterschiedliche Positionen darzustellen. Dass nun fast doppelt so viele Unterschriften wie erforderlich gesammelt wurden, unterstreicht das starke Bedürfnis nach demokratischer Fairness.

Wie hoch der Erfolg der NOlympia-Initiative einzuschätzen ist, zeigt der Vergleich mit anderen Initiativen der letzten Jahre:

Zeitraum der Unterschriftensammung

 

Zahl der gesammelten Unterschriften Volksinitiatvie
1.1.24 – 30.1.24

(rd. 4 Wochen)

23.316 Hamburger Zukunftsentscheid
22.9.23 – 10.1.24

(knapp 4 Monate)

16.383 Hamburg testet Grundeinkomen
23.6.23 – 14.12.23

(rd. 6 Monate)

13.803 „G9-Hamburg“
07.02.23 – 20.7.23

(knapp  5 Monate)

16.457 „Schluss mit Gendersprache …
25.4.22 – 20.10.22

(6 Monate)

15.303 Hamburg Werbefrei
15.9.22 – 12.3.23

(6 Monate)

18.321 Hamburg Enteignet
11.8.22 13.716 Klimaentscheid
15.9.21 – 19.12.21

(gut 3 Monate)

14.293 Rettet Hamburgs Grün …
19.3.21 – 13.12.21

(Verlängerung wg. Corona)

16.442 VI gegen Transport und Umschlag von Rüstungsügtern …
04.02.20 – 18.10.20

(Verlängerung wg. Corona)

14.200 …Keine Profite mit Boden und Miete

Hamburg fit machen – ohne Olympia

Für die Hamburger Linke ist klar: Unsere Stadt braucht Investitionen in Bildung, sozialen Zusammenhalt, Klimaschutz und öffentlichen Sport – nicht ein milliardenschweres Prestigeprojekt mit unkalkulierbaren Risiken. Thomas Iwan, Co-Landessprecher der Hamburger Linken, bringt es auf den Punkt: Die Stimmung in der Stadt sei deutlich – die meisten Hamburger*innen wollten keine Olympischen Spiele. Das gebe Rückenwind für die kommenden Monate bis zur Abstimmung am 31. Mai.

Hamburg kann stark, solidarisch und lebenswert sein – ganz ohne Olympia.