Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof: Verantwortung übernehmen und selber bauen!

Nach immer neuen Verzögerungen muss der Senat den Bau des Dokumentationszentrums Hannoverscher Bahnhof selbst übernehmen – das fordert die Linksfraktion in einem Antrag in der heutigen Bürgerschaftssitzung. Vom Hannoverschen Bahnhof wurden zwischen 1940 und 1945 Jüdinnen und Juden, Sinti*zze und Rom*nja in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Mit der Planung der HafenCity forderten Verfolgtenverbände und Initiativen eine angemessene Erinnerung – daraufhin wurde 2008 der Bau eines Gedenkortes und eines Dokumentationszentrums am Lohsepark beschlossen. Während der Gedenkort 2017 eröffnet wurde, ist die Eröffnung des Dokumentationszentrums immer noch nicht absehbar. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Senat die Verantwortung für den Bau an einen privaten Investor übertrug. Der wollte das Dokumentationszentrum im Erdgeschoss eines Bürogebäudes unterbringen. Als jedoch bekannt wurde, dass die Büroflächen darüber an das NS-belastete Unternehmen Wintershall/DEA vermietet werden sollten, kam es zu massiven Protesten. Daraufhin einigten sich Senat und Investor darauf, ein eigenständiges Gebäude für das Dokumentationszentrum zu errichten. Fertigstellung und Eröffnung waren für 2026 geplant – doch bis heute wurde noch nicht einmal mit dem Bau begonnen. Eine Anfrage der Linksfraktion enthüllte, dass dort wegen eines Streits über Spendenquittungen seit über einem Jahr gar nichts mehr passiert.

Dazu Marco Hosemann, Sprecher für Erinnerungskultur der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Der Senat muss die gesellschaftlich so wichtige Aufgabe der Erinnerung an die NS-Verbrechen jetzt endlich selbst in die Hände nehmen. Der Hannoversche Bahnhof war ein zentraler Ort deutscher Verbrechen in der NS-Zeit und ist deshalb ein wichtiger Bestandteil für die Erinnerungskultur in unserer Stadt. Gerade in Zeiten, in denen es immer weniger Zeitzeug*innen gibt und sich die Geschichte mit Erstarken von rechtsextremen Kräften wie der AfD zu wiederholen droht, braucht es solche Orte, die uns vor Faschismus und Krieg mahnen.“