Hamburg Energie: Zwischen Trostpflaster und Werbegag

  • 7. Oktober 2009

In ihrer heutigen Rede im Rahmen der Aktuellen Stunden der Hamburgischen Bürgerschaft kritisierte Dora Heyenn, Fraktionsvorsitzende und umweltpolitische Sprecherin, „Hamburg Energie“ erneut scharf als Trostpflaster für GAL-Wähler. „Hamburg Energie“ sei finanziell nicht ausreichend ausgestattet und handelt nur mit als atom- und kohlefrei etikettiertem Strom. Heyenn fordert den Senat abschließend auf, schnellstmöglich aus den 442 Verträgen mit Vattenfall auszusteigen.

„Stadtwerke sehen anders aus – das wissen die Hamburger noch sehr gut. Mit ihrer Ankündigung ein Stadtwerk zur Stromversorgung in Hamburg zu gründen, erweckte die Senatorin Hajduk große Erwartungen und verteilte gleichzeitig Trostpflaster an ihre grüne Wählerschaft. Schon der Zeitpunkt, an dem die Idee von „Hamburg Energie“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war bezeichnend – es war der Tag an dem die GAL als Regierungspartei den Bau des Kohlekraftwerks Moorburg bekanntgab.

Mit einer Ausstattung von 10 Mio € kann kein Stadtwerk ins Laufen gebracht werden. Und entsprechend holperig ist der Start. Zunächst handelt es sich nur um einen Stromhändler. Es soll atom- und kohlefreier Strom angeboten werden. Das wäre eine Alternative. Aber erstens gibt es für die Hamburger Haushalte schon mehrere Anbieter, zu denen auch bereits viele gewechselt sind und zweitens handelt es sich um den Strom von Hamburg Energie um umetikettierten Strom, d.h. es sind sowohl Anteile aus Kohle- und Atomkraftwerken dabei. Diese Umetikettierung ist für sich genommen schon ein äußerst fragwürdig und macht dem Verbraucher etwas vor.

Auf der letzten Pressekonferenz zum neuen Hamburger Stadtwerk wurde dann auch deutlich, dass das Etikett eine größere Rolle als der Inhalt spielt. Mit Dagmar Berghoff wurde ein VIP gewonnen, die sich bisher nicht durch besonderes kritischen Umgang mit Energie hervorgetan hat – es war wohl eher ein Frage des Honorars – und der Bürgermeister brauchte einen Tag Bedenkzeit um zu ermitteln, ob sich ein Wechsel von Vattenfall zu Hamburg Energie auch für ihn rechnet.

Jetzt, sagt er, gehört er zu den ersten 1000 Kunden. Vielmehr dürften es noch nicht geworden sein.

Nur – wenn der schwarz-grüne Senat es mit dem neuen Stadtwerk ernst meint – dann müssen Taten folgen. Der Etat von 10 Mio € wird überwiegend für Öffentlichkeitsarbeit und Werbegags draufgehen. Es muss mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, sonst wird es nie mehr als ein Stromhändler und alle städtischen Gebäude sowie die Saga GWG müssen ihren Strom über Hamburg Energie beziehen. Die 442 Verträge der Stadt mit Vattenfall müssen gekündigt werden und das so schnell wie möglich.“