Staatsarchiv: Digitalisierung beschleunigen, Zugang erleichtern!
Die Linksfraktion fordert in ihrem Antrag in der Bürgerschaftssitzung am morgigen 6. Mai Maßnahmen, die einen niedrigschwelligen Zugang zu den Aktenbeständen des Hamburger Staatsarchivs ermöglichen. Hintergrund: Das Staatsarchiv hat zum Jahresanfang große und wichtige Aktenbestände in das Niedersächsische Landesarchiv nach Stade ausgelagert, die erst ab März nach und nach wieder nutzbar waren. Die Nutzer*innen wurden erst wenige Tage vor der Weihnachtsschließung informiert – viel zu kurzfristig, um laufende Recherchen anzupassen und benötigte Akten rechtzeitig einzusehen. Mit der Verlagerung kommen auf sie längere Anfahrtswege und zusätzliche Kosten zu.
Die Antworten auf zwei Anfragen der Linksfraktion zeigen, dass Senat und Staatsarchiv die Probleme kaum bewusst sind und sie wenig an Lösungen für einen verlässlichen und niedrigschwelligen Zugang zu Archivbeständen interessiert sind. Die Errichtung eines Shuttle-Service wird abgelehnt und von den 3007 Beständen, die das Staatsarchiv aufbewahrt, sind lediglich fünf vollumständlich digitalisiert.
Dazu Marco Hosemann, erinnerungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Zustände im Staatsarchiv und die Verlagerung wichtiger Bestände nach Stade sind ein Skandal! Daran lässt sich ablesen, wie wichtig dem Senat die Erforschung und Aufarbeitung der kolonialen und der nationalsozialistischen Verbrechen sowie auch der Verbrechen an Sinti*zze und Rom*nja nach 1945 wirklich sind. Er scheint auch hier nicht aus Fehlern der Vergangenheit – wie etwa dem Kassationsskandal 2018 – gelernt zu haben: Kritik von Expert*innen und Nutzer*innen wird nicht ernst genommen. Wir fordern den Senat auf, die Digitalisierung der Archivbestände mit der Einrichtung einer eigenen Digitalisierungsstraße und zusätzlichem Personal zu beschleunigen, die digitalen Bestände einfacher nutzbar zu machen und Forscher*innen, die nicht nach Stade fahren können, einen Aktenshuttle anzubieten.“
