Staatsarchiv: Digitalisierung beschleunigen, Zugang erleichtern!

Hamburgs Staatsarchiv hat zum Jahresanfang große und wichtige Aktenbestände in das Niedersächsisches Landesarchiv nach Stade ausgelagert, die erst ab März nach und nach wieder nutzbar sind. Die Nutzer*innen wurden erst wenige Tage vor der Weihnachtsschließung informiert – viel zu kurzfristig, um laufende Recherchen anzupassen und benötigte Akten rechtzeitig einzusehen. Mit der Verlagerung kommen auf sie längere Anfahrtswege und zusätzliche Kosten zu. Zudem bemängeln die Forscher*innen, dass von den aktuell ausgelagerten 58 Beständen nur zwei digitalisiert sind und auch vorhandene Digitalisate derzeit nicht zeitgemäß im Staatsarchiv nutzbar sind: Statt sich Kopien auf Datenträger ziehen zu können, müssen sie sich hunderte Seiten ausdrucken lassen. Die Antworten auf eine aktuelle Anfrage der Linksfraktion zeigen, dass Senat und Staatsarchiv die Probleme kaum bewusst sind und sie wenig an Lösungen für einen verlässlichen und niedrigschwelligen Zugang zu Archivbeständen interessiert sind.

Dazu Marco Hosemann, erinnerungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Zustände im Staatsarchiv und die Verlagerung wichtiger Bestände nach Stade sind ein Skandal! Daran lässt sich ablesen, wie wichtig dem Senat die Erforschung und Aufarbeitung der kolonialen und der nationalsozialistischen Verbrechen und denen an Sinti*zze und Rom*nja nach 1945 wirklich sind. Er scheint auch hier nicht aus Fehlern in der Vergangenheit – wie etwa dem Kassationsskandal 2018 – gelernt zu haben: Kritik von Expert*innen und Nutzer*innen wird nicht ernst genommen. Wir fordern den Senat auf, die Digitalisierung der Archivbestände mit der Einrichtung einer eigenen Digitalisierungsstraße und zusätzlichem Personal zu beschleunigen, die digitalen Bestände besser nutzbar zu machen und Forscher*innen, die nicht nach Stade fahren können, ein Aktenshuttle anzubieten – und werden das in der Bürgerschaft beantragen.“