Aufbau des Kreativwirtschaftsclusters Hamburg

  • 3. September 2009

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG

 

  1. Sitzung

Donnerstag, 3. September 2009

 

Aufbau des Kreativwirtschaftsclusters Hamburg

Drs 19/3442 –

 

Norbert Hackbusch DIE LINKE:

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren!

Mir geht irgendwann die Kreativität auch aus; wenn wir jedes Mal und bei jeder Bürgerschaftssitzung über dieses Thema diskutieren, fällt einem soviel Neues nicht mehr ein und den Personen, die hier etwas dargestellt haben, in der Regel auch nicht.

Ich hatte gehofft, dass Herr Wankum etwas sagt zum Verhältnis zwischen sozialistischem Streichelzoo und der Kreativagentur, das hätte mich heute noch interessiert, das hat er leider nicht dargestellt. Ich habe immer gesagt, dass ich mich freue, wenn diesem Sektor mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Ich möchte Herrn Schwinke auch dahingehend widersprechen, dass das im Wirtschaftsausschuss besprochen werden muss. Das ist eine typische Aufgabe für den Kulturausschuss und diese harten Trennungen an diesen Stellen halte ich für überholte Politik von vorgestern, das sollte man überwinden. Da bin ich auf der Seite dieser Regierung.

Soweit zu diesem Thema. Wir haben viel Positives gesagt, es fehlen mir ein bisschen die kritischen Momente, die man sich dazu ansehen sollte. Herr Wankum, natürlich sind wir die zweitgrößte Kreativmetropole in dieser Republik. Es wäre auch komisch, wenn die mit Abstand zweitgrößte Stadt das nicht wäre. Das nun zu feiern, finde ich etwas übertrieben und alle Menschen, die sich um Kreativwirtschaft kümmern und sich mit den Kreativen dieser Stadt auseinandersetzen, wissen, dass wir ein Problem haben, und das heißt Berlin. Berlin zieht die Kreativen an, das muss man als Problem anerkennen, und es ist eine wichtige Aufgabe, sich damit auseinanderzusetzen und in diesem Punkt durchaus etwas von Berlin zu lernen und zu sehen, wo hier die kritischen Punkte sind.

Der zweite wichtige Punkt wurde deutlich oder wird jetzt deutlich, nämlich die gegenwärtige Diskussion in dieser Stadt unter dem Begriff Gentrifizierung. Was passiert gegenwärtig in den kreativen Ecken dieser Stadt? Dort steigen die Preise in einer Art und Weise – gestern wurde gemeldet, St. Pauli hat mittlerweile höhere Mietpreise als Eppendorf –, dass es ein riesiges Problem ist.

Es würde mich wundern, wenn die Kreativagentur in der Lage wäre, dieses Problem mit den vorliegenden Mitteln zu lösen. Wir müssen uns auch überlegen, wie wir Möglichkeiten für Kreative in dieser Stadt schaffen, in einem großen Bereich wirken zu können. Eine weitere Schwierigkeit, die wir haben – das ist ein richtiges Kulturthema, mit dem sich die CDU einmal auseinandersetzen sollte –, ist, warum Stadtteile wie St. Pauli oder das Schanzenviertel so begehrt sind bei den Kreativen und Fortschrittlichen dieser Stadt. Warum sind es nicht die Stadtteile, in denen die CDU eine große Dominanz hat?

Warum gehen ihre Kinder immer ins Schanzenviertel zu den Linken, zu den Grünen, zu den Aufgeregten, zu den Progressiven dort? Das wäre eine kulturelle Auseinandersetzung, die ich spannend finden würde. Warum sind Ihre Kinder nicht in Ihren Stadtteilen sind, die Sie so langweilig gestaltet haben und die in gewisser Weise nichts an Freude, an Kreativität hervorbringen? Diese kulturelle Debatte würde mir gut gefallen. Wir werden diese Debatte im Ausschuss führen und bis dahin sage ich tschüss.