Glückwünsche zum 100jährigen Bestehen der SAGA – Und einige Wünsche für die nächste Zukunft

Von Heike Sudmann

Am 29. Dezember 1922 gründete die damals noch preußische Stadt Altona das kommunale Unternehmen SAGA, die Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona. Wesentlich inspiriert war diese Gründung durch den jungen Sozialdemokraten Max Brauer (1887-1973), den damaligen Stadtkämmerer und Zweiten Bürgermeister Altonas. Es galt, die Not und den Wohnungsmangel nach dem I. Weltkrieg zu lindern und ein soziales Bauprogramm mit menschenwürdigen Wohnungen auf den Weg zu bringen.

Ein knappes Jahrhundert später ist die SAGA mit ihren gut 135.000 Wohn- und 1.400 Gewerbeeinheiten die größte Vermieterin der Stadt und zugleich das größte kommunale Wohnungsunternehmen in Deutschland. Die SAGA sorgt damit für den Wohnraum von rund 300.000 Hamburger:innen, also für ein Sechstel der Stadtbevölkerung überhaupt.

Die Linksfraktion gratuliert der SAGA zu ihrem großen Jubiläum und würdigt die bedeutende Rolle dieses stadteigenen Wohnungsunternehmens. Es ist noch gar nicht so lange her, dass es fast privatisiert worden wäre, was glücklicherweise verhindert werden konnte. Die Option einer Privatisierung scheinen sich aktuell nicht einmal die bürgerlichen Parteien auf die Fahnen geschrieben zu haben. Das ist gut so. Als Linksfraktion wünschen wir uns allerdings, dass die SAGA ihrem in der Satzung fixierten vorrangigen Ziel, „eine sichere und sozial verantwortliche Wohnungsversorgung für breite Schichten der Bevölkerung zu angemessenen Preisen“ zu schaffen, noch besser nachkommt. Und dies ganz besonders in Zeiten des voranschreitenden Mangels an günstigen Wohnungen und der anhaltenden Mietenexplosion. Da halten wir es mit Max Brauer, der 1947 anlässlich des ersten Vierteljahrhunderts der SAGA zum Gründungsmotiv nach dem I. Weltkrieg sagte: „Die SAGA sollte nach meinen Vorstellungen ein Instrument zur praktischen Überwindung der Krise sein.“ Darum geht es auch heute, und deswegen wünschen wir uns und der Hamburger Mieter:innenschaft im Jubiläumsjahr 2022 von der SAGA vor allem dies

 

  1. Die Gewinne der SAGA, die in den letzten Jahren jeweils mehr als 200 Mio. Euro ausmachten und bisweilen z.T. an die Stadt abgeführt wurden, bieten eine solide Basis, um – allemal in Zeiten von Corona und drastischen Anstiegen bei den Lebenshaltungskosten – die Mieten in diesem Unternehmen in den kommenden fünf Jahren einzufrieren bzw. nur um wenige Cent ansteigen zu lassen.

 

  1. Mit erheblich ausgeweiteter Unterstützung der Stadt sollte die mit Eigenkapital gut ausgestattete SAGA daran gehen, die Zielzahlen für die Fertigstellung von öffentlich geförderten Wohnungen des 1. Förderweges sukzessive zu verzwei- bzw. zu verdreifachen, um dem Sozialwohnungs-Schwund entgegenzuwirken und ein wieder wachsendes Angebot für rund 340.000 anspruchsberechtigten Haushalte zu schaffen.

 

  1. Um den Anteil bezahlbarer Sozialwohnungen systematisch auszubauen, sollte die SAGA mit der Stadt vereinbaren, dass einmal geförderte Wohnungen nach Wiener Vorbild auf immer preisgebundene Wohnungen bleiben.

 

  1. „Steenkamp: das ist auch heute noch so etwas wie ein Symbol für die SAGA“, hieß es in der Festschrift zum 50. Geburtstag der SAGA 1972. Und dennoch ist dieses Unternehmen später daran gegangen, den sozialen Gründungsmythos der SAGA durch den Verkauf von Wohnungsbeständen im Rahmen des Programms „Endlich meins“ zu konterkarieren. Es ist überfällig, dass die SAGA sämtliche Verkäufe von Bestandswohnungen 100prozentig einstellt (auch in „anprivatisierten“ Häusern und aus irgendwelchen „Tranchen“).

 

  1. Eine andere, eine bessere SAGA, das bedeutet auch, die Mitwirkungsmöglichkeiten ihrer hunderttausende Mieter:innen spürbar zu verbessern. Wichtig wären Mieter:innenräte, wie sie in Berlin teilweise schon existieren. Nur so kann eine städtisches Unternehmen von sich behaupten, ein modernes und demokratisches Unternehmen zu sein.