Kühne-Oper: Vergiftetes Geschenk an belastetem Ort

Der Senat verweigert eine Debatte über die koloniale Geschichte des Standorts der geplanten Kühne-Oper sowie den Umgang des Stifters mit der NS-Vergangenheit seines Familienunternehmens. In öffentlichen Auftritten redet er die Kritik daran klein und bezieht Stellung dazu, in der Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft aber drückt er sich vor einer Positionierung. Es gebe „im parlamentarischen Fragerecht keinen Anspruch auf meinungsbildende Stellungnahmen“, heißt es wörtlich. Der Baakenhöft, wo die Oper gebaut werden soll, war u.a. Drehscheibe für die Kolonien und den Völkermord an den Herero und Nama, an dem schon lange eine angemessene Erinnerung an die Kolonialverbrechen gefordert wird. In der Nähe vom Baakenhöft wurde außerdem ein Teil des NS-Raubguts von 70.000 jüdischen Haushalten gelagert, welches das Logistikunternehmen Kühne + Nagel transportierte. Trotz wiederholter Kritik verweigert Klaus-Michael Kühne bis heute eine Aufarbeitung der NS-Vergangenheit seines Unternehmens. Die Fraktion Die Linke lädt an diesem Mittwoch zu einer Podiumsdiskussion zum Thema ins Rathaus ein.

Marco Hosemann, Sprecher für Stadtentwicklung und Erinnerungskultur der Linksfraktion: „Die Kühne-Oper ist ein vergiftetes Geschenk! Es unkritisch anzunehmen und auch noch dem Wunschort für die Oper von Herrn Kühne auf dem Baakenhöft zu entsprechen, wäre geschichtsvergessen und eine Stadtentwicklungspolitik aus dem letzten Jahrtausend. Wir brauchen einen angemessenen Gedenkort an die deutschen Kolonialverbrechen und nicht noch ein Prestigeprojekt mit Gedenkecke. Nicht ein Milliardär, der seine Steuern in der Schweiz bezahlt, sollte darüber entscheiden, ob es Bedarf für eine neue Oper gibt und wie der Baakenhöft gestaltet wird, sondern die Hamburger*innen. Von einer Person, welche die öffentliche Aufarbeitung des NS-Erbes seines Unternehmens verweigert, sollte erst recht kein Geschenk angenommen werden. Die Stadt sollte ihm nicht dabei helfen, sich von seiner Schuld der Steuervermeidung und verweigerten NS-Aufarbeitung reinzuwaschen.“