Neuer Kürzungshammer: Nun trifft es die Ganztagsgrundschulen!

Erst der Wirbel, den die Schulbehörde mit ihrem Schreiben zu den Änderungen bei den Bewilligungen von Schulbegleitungen verursacht hatte – und jetzt erreichen die Schulleitungen der Hamburger Grundschulen mit Datum vom 30. Juni schon wieder neue Hiobsbotschaften: Die wöchentliche Arbeitszeit für Beamt*innen im Schuldienst soll in Summe auf knapp 48 Stunden angehoben werden, Altersermäßigung und Vertretungsreserven werden ab Sommer 2027 gesenkt. Der gravierendste Einschnitt aber betrifft die Ganztagszuweisungen für gebundene Ganztagsgrundschulen: In geradezu Orwellschem Neusprech heißt es, dass sie „aufwachsend ab dem Schuljahr 2027/28 zu 77 Prozent in der Profession der Erzieherinnen und Erzieher und zu 23 Prozent aus Honorarmitteln erfolgen“ sollen. Die Folge: Ganztagsschulen, die bislang als selbstverantwortete Ganztagsschule (GTS) ohne Träger und mit ausgeklügelt rhythmisiertem Ganztagsangebot höchst erfolgreich gearbeitet haben, müssen künftig ohne zusätzliche Zuweisungen für Lehrkräfte auskommen, werden nur noch tariflich günstigere Erzieher*innenstellen zugewiesen bekommen. Das Gesamtkonzept aus Bildung – Erziehung – Förderung – Betreuung an rund 75 Hamburger Ganztagsgrundschulen wird somit der hergebrachten Trennung in Unterricht am Vormittag und Betreuung und Angebote am Nachmittag weichen müssen. Die multiprofessionellen Teams an den Schulen werden geschwächt, der rhythmisierte Schulalltag verliert an Qualität, Prävention und individuelle Förderung werden erschwert und die jahrelange Arbeit an einer guten pädagogischen Gesamtarchitektur der Ganztagsgrundschulen wird über Bord geworfen. Besonders betroffen davon sind Grundschulen in Stadtteilen mit erhöhtem Förderbedarf.

Dazu Sabine Ritter, schulpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Mit der handstreichartigen Kürzung der Personalmittel an den gebundenen Ganztagsschulen setzt die Schulbehörde ihre Salamitaktik der Zumutungen im Bildungsbereich fort. Diese Maßnahme ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich über Jahrzehnte für den flächendeckenden Ausbau eines Ganztags eingesetzt haben, der Schule als ‚Zuhause für den Tag‘ konsequent vom Kind her denkt und gestaltet. Sie setzt die Axt an fortschrittliche Schulentwicklung und ist ein massiver Vertrauensbruch gegenüber denjenigen Eltern, die ihre Kinder bewusst an einer der 75 gebundenen Ganztagsgrundschulen angemeldet hatten: Statt dem durchdachten Einbezug auch von Erzieher*innen in den Unterricht und von Lehrer*innen in Nachmittagskurse werden durch nun zwangsläufig wechselnde Angebote und Bezugspersonen soziale Stabilität und damit Bildungschancen gefährdet – und das vor allem in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf. De facto beendet die Schulbehörde den Schulfrieden – zumindest bezogen auf die Grund- und Stadtteilschulen. Inklusion, Teilhabe und Chancengleichheit drohen zu leeren Floskeln zu verkommen. Erst die Schulbegleitung, jetzt der Ganztag: Fast schon im Wochentakt kommt der Kürzungshammer über unsere Schulen! Diese Maßnahmen müssen sofort vom Tisch. Und zwar alle!“