Olympia: Mehr Risiko als Chance für Hamburgs Kultur
Olympia „für alle“ verspricht das Bewerbungskonzept des Senats – aber gilt das auch für die Kultur? Mit einer Schriftlichen Kleinen Anfrage (Drs. 23/3643) wollte die Linksfraktion mehr wissen zu den Plänen für Olympia 2036, 2040 oder 2044 zum kulturellen Rahmenprogramm. Doch Fragen zu Trägerschaften, Finanzierung und Nachnutzung möglicher Kulturorte lässt der Senat unter Hinweis auf die noch nicht abgeschlossenen Planungen unbeantwortet. Auch die Frage, wie Hamburg mit dem historischen Schatten der NS-Spiele von 1936 umgehen würde, beantwortet der Senat lediglich mit Floskeln über Vielfalt, und teilt stattdessen mit, auf ‚hypothetische Fragen‘ nicht zu antworten.
Immerhin gibt der Senat zu, dass die im finanziellen Rahmenkonzept erwarteten 350 Millionen Euro „Sonstige Einnahmen“ auch die Erlöse aus dem kulturellen Rahmenprogramm enthalten. Ein niedrigschwelliges und preisgünstiges Kulturangebot wird damit mehr als unwahrscheinlich. Auch ein Nachbericht zu den Spielen in Paris 2024 des ‘Collectif Saccage 2024’ bietet Anlass zur Skepsis: Bars, Clubs und Cafés meldeten schon vor Beginn der Spiele Umsatzeinbußen von rund 30 Prozent, verursacht durch Sperrzonen, Barrieren und die eingeschränkte Zugänglichkeit der Innenstadt. Künstler*innen arbeiteten teils ohne Vergütung für das olympische Kulturprogramm, Kunst und Musik wurden in erster Linie als Mittel eingesetzt, um die Spiele aufzuwerten und zu bewerben.
Marie Kleinert, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion: „Der Senat will uns Olympia als Kulturfest für alle verkaufen. Doch die Erfahrungen aus Paris zeigen, dass so ein Mega-Event die lokale Kulturszene empfindlich treffen kann. Clubs verlieren Umsatz, Künstler*innen müssen gratis arbeiten und Kultur wird vor allem als Instrument zur Vermarktung der Spiele genutzt. Unter diesen Bedingungen zeichnet sich ab, dass auch in Hamburg von den angekündigten ‚Spielen für alle‘ neben Umsatzeinbußen vor allem falsche Versprechen zurückbleiben werden.“
