Spracherwerb First! Anfrage der Linken zeigt Probleme bei Ausbildungsvorbereitung für Migrant*innen

Damit Migrant*innen sich gut integrieren können, ist als allererstes der Erwerb der deutschen Sprache wichtig. Doch bei der Ausbildungsvorbereitung gibt es hier offenbar eklatante Leerstellen und konzeptionelle Probleme im Spracherwerb. Das ergab eine Große Anfrage der Linksfraktion. So wird beispielsweise nur etwas mehr als ein Viertel aller Teil- nehmenden in AvM-Dual überhaupt zur abschließenden DSD1-Sprachprüfung angemeldet. Bei AvM-Dual handelt es sich um ein ganztägiges Bildungsangebot für neu zugewanderte, oft geflüchtete Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren. Es richtet sich an Menschen mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen, unabhängig von Aufenthaltsstatus oder Beeinträchtigung. Ziel ist, die jungen Leute auf eine Berufsausbildung vorzubereiten. Die Linksfraktion hat das Problem als Debatte für die heutige Bürgerschaftssitzung angemeldet.

Dazu Sabine Ritter, ausbildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hambur-gischen Bürgerschaft: „Es gibt ganz grundsätzliche, konzeptionelle Probleme bei der Aus-bildungsvorbereitung für Migrant*innen – das zeigen die Zahlen und Antworten des Senats. Gerade der Spracherwerb muss in den Fokus der Ausbildungsvorbereitung genommen und dem allgemeinen Schulstart vorgeschaltet werden. Es darf nicht sein, dass zum Ende eines AvM-Durchgangs der größte Teil der Schüler*innen Deutsch allenfalls auf A2-Niveau kann – das bedeutet gerade mal, einzelne Sätze zu verstehen und die gebräuchlichsten Wörter zu kennen. Besonders ärgerlich ist, dass der Senat bei der Beantwortung unserer Anfrage nichts über die Wirklichkeit der Praktika in AvM liefert, vielleicht gar nichts weiß. Die Rückmel-dungen, die wir zu den Praktika aus der Lebenswelt der Lehrenden und Vermittler*innen erhalten, machen aber deutlich, dass zwischen Praxis und konzeptionellem Anspruch eine Lücke klafft. Die Praktikumsorte sind wenig vielfältig, führen seltenst zum Beruf – und ganz häufig sind sie nicht einmal geeignet, Deutsch zu üben. Die schulische und betriebliche Realität muss dringend dem Konzept angepasst werden!“