Erfrorene Obdachlose: Wann ist es dem Senat kalt genug?

  • 27. November 2018

Seit Tagen liegen die Temperaturen in Hamburg auch tagsüber nur knapp über dem Gefrierpunkt. Für den Senat ist das aber kein Grund, das Winternotprogramm ganztägig zu öffnen – im Sozialausschuss hatten SPD und Grüne lediglich versprochen, „bei sehr kalten Temperaturen“ die Öffnungszeiten zu erweitern. Ab wann er auf „sehr kalt“ befindet, hat der Senat nun in seiner Antwort auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft (Drs. 21/14995) dargestellt: Er verweist lapidar darauf, dass während der von Eisregen begleiteten Kältewelle Ende Februar/Anfang März 2018 die Öffnungszeiten des WNP erweitert wurden – aber nur, um angesichts „teils extremer Glätte insbesondere im Zeitraum bis zu einer Räumung der Gehwege die Sicherheit der Übernachtenden bei An- und Abreise nicht zu gefährden“.

„Das kann nur ein schlechter Witz sein“, erklärt dazu die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Cansu Özdemir. „Der Senat sorgt sich darum, dass Menschen auf dem Weg zum Winternotprogramm ausrutschen könnten. Er sollte lieber dafür sorgen, dass es nicht noch mehr Kältetote gibt. Wenn das WNP geschlossen ist, erfrieren Menschen – egal, ob die Zugangswege geräumt und gestreut sind oder nicht.“

Seit Ende Oktober sind in Hamburg bereits drei Menschen auf der Straße erfroren. Dabei werden diejenigen, die in Folge von Unterkühlung im Krankenhaus gestorben sind, nicht mitgezählt. „Es ist kalt, und es ist Zeit zu handeln“, fordert Özdemir daher. „Das Winternotprogramm muss ganztägig und für alle Obdachlosen geöffnet werden!“